Kategorie-Archiv: Klassiker

Hier stellen wir Klassiker der Japan-Literatur vor.

Lafcadio Hearn – Japans Geister

hearnHearn, Lafcadio (2015): Japans Geister. Berlin: Die Andere Bibliothek, 416 Seiten. 42 Euro. ISBN 978-3847703723.

Wer „Japans Geister“ zur Hand nimmt, sollte nicht nur Spukgeschichten erwarten, und auch keine reine Abhandlung über japanische Wiedergänger und andere unheimliche Wesen. Es handelt sich um eine Zusammenstellung von Texten des Journalisten und Schriftstellers Lafcadio Hearn (1850–1904), der griechisch-irischer Abstammung war und zunächst in die USA übersiedelte. 1890 ging er nach Japan, wo er bis zu seinem Lebensende blieb und unter seinem japanischen Namen Koizumi Yakumo Berühmtheit erlangte. Das Unheimliche, nicht rational Fassbare war Hearns Metier: Heute noch besonders beliebt sind seine Sammlungen japanischer Geistergeschichten, die zuerst in fünf Bänden in englischer Sprache veröffentlicht wurden (In Ghostly Japan 1899, Shadowings 1900, A Japanese Miscellany 1901, Kotto 1902, Kwaidan 1904 und The Romance of the Milky Way 1905). Viele japanische Geistergeschichten sind heute auch in Japan vor allem in Form von Hearns Adaptionen bekannt, wie zum Beispiel die Erzählungen vom „ohrlosen Hôichi“ oder der „Schneefrau“ (yuki onna), die auch in Kobayashi Masakis Film Kwaidan (1964) Eingang gefunden haben.  Weiterlesen

Basil Hall Chamberlain – ABC der japanischen Kultur

ABCWie erklärt man jemandem, der sich bisher nicht mit Japan auseinandergesetzt hat, das „Wesen Japans“? Jeder Japanologe wurde sicherlich schon mehrmals gefragt, was Japan ausmache oder wie die Japaner seien. Nachdem man nun das Schaudern ob der Generalisierung „die Japaner“ überwunden hat, steht man vor einem Problem. Wo fängt man an? Was kann weggelassen wer-den? Wie kann man eine so komplexe und jahrhundertealte Kultur zusammenfassen? In seinem Buch „ABC der japanischen Kultur“ (Original: Things Japanese, 1912) wollte Basil Hall Chamberlain dem Leser die Antworten zu Fragen über Japan geben, die ihm anscheinend unaufhörlich gestellt wurden, und einen generellen Überblick Japans bieten.

Chamberlain war wohl einer der aktivsten Japanologen des 19. Jahrhunderts. Er reiste 1873 erstmals nach Japan. Dort lehrte er unter anderem an der Universität Tokyo als Professor der Japanologie, bis er 1911 in die Schweiz ging. In seiner Zeit in Japan übersetzte er als Erster das Kojiki, das älteste überlieferte Buch Japans, in die englische Sprache. Darüber hinaus verfasste er viele andere Arbeiten, aber das Buch, für das er wahrscheinlich am bekanntesten ist, ist das „ABC der japanischen Kultur“ aus dem Jahr 1912. Es ist eine Art Enzyklopädie, die Begriffe von A wie Aberglaube bis Z wie Zyklus erklärt.  Weiterlesen

Kurt Singer – Spiegel, Schwert und Edelstein

SingerKurt Singer beschreibt in seinem Werk „Spiegel, Schwert und Edelstein“ die japanische Gesellschaft sowie die japanische Kultur vor dem Hintergrund von Erfahrungen, die er während seines Aufenthalts in Japan in den Jahren 1931 bis 1939 sammelte. Dabei bezieht er sich nicht allein auf seine Beobachtungen, sondern auch auf Dokumente, die sich mit der japanischen Kultur auseinander setzen und zieht so einen Querschnitt durch das „Wesen“ des japanischen Lebens und der japanischen Kultur.

Der 1886 in Deutschland geborene Kurt Singer promovierte und habilitierte in Wirtschaft. Durch eine Einladung der Universität Tôkyô zu einer Gastprofessur für Nationalökonomie fand sich Singer im Jahre 1931 als Fremder in einem weit entfernten Land wieder. Abgesehen von einem einjährigen Aufenthalt in China hielt sich der Akademiker jüdischer Abstammung bis 1939 in Japan auf. In dieser Zeit ging er seiner Lehrtätigkeit an der Universität Tôkyô nach und wurde später als Deutschlehrer an einer Oberschule angestellt. Die nationalsozialistische Judenverfolgung, die über deutsche Grenzen hinaus bis nach Japan reichte, hielt Singer davon ab, in sein Heimatland zurückzukehren. Ebenso war die Kündigung als Deutschlehrer 1939 antisemitisch gefärbt. Somit sah sich Singer dazu gezwungen, sich ins australische Exil zu begeben, wo er für zwei Jahre interniert wurde.

1931 fiel die japanische Armee in die Mandschurei ein. In dieser Zeit wurde Singer in Japan nicht nur mit einem rasanten technologischen Umbruch konfrontiert, sondern erfuhr Gewalt, Aufstände und Terrorakte. Zudem wurde er Zeuge, wie die japanische Kultur instrumentalisiert und für militärische Zwecke in Beschlag genommen wurde. Nach Beendigung des Krieges gelang es Singer nicht, sein Werk zu publizieren, so dass es in englischer Sprache erst 1973 in London veröffentlicht wurde, elf Jahre nach Singers Tod. Die mehr als fünfzehn Jahre später erschienene deutsche Fassung ist allerdings keine reine Übersetzung, sondern beinhaltet ebenso Teile des zum größten Teil verschollenen deutschen Manuskriptes.  Weiterlesen

Lafcadio Hearn – Kokoro

Nach der erzwungenen Öffnung Japans im Jahr 1853 ging der englische Philosoph Herbert Spencer davon aus, dass die japanische Kultur eingehen werde wie „a hothouse flower suddenly exposed to the outside world“ (Starrs, S. 183). Denn seiner development hypothesis folgend war er davon überzeugt, dass sich die Kulturen der Welt in einem Konkurrenzkampf gegeneinander befänden. Dieser Evolutionismus wird heute oft als Vorläufer des späteren Sozialdarwinismus interpretiert.

Doch entgegen Spencers Voraussage kam es in Japan zu einer radikalen Umstrukturierung des Landes, welche unter anderem zum Sieg über China im ersten Chinesisch-Japanischen Krieg und zur Kolonialisierung von Taiwan in den Jahren 1894 bis 1895 führte. Aus Sicht der westlichen Kolonialmächte dürften diese Entwicklungen äußerst überraschend und nur schwer zu verstehen gewesen sein, weshalb ein erhöhter Bedarf nach Erklärungen bestand.

„Kokoro – Hints and Echoes of Japanese Inner Life“ ist einer dieser Erklärungsversuche. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Essays des Journalisten und Autoren Lafcadio Hearn, in denen dieser die Japaner als aufsteigende Rasse darstellt, welche durch ihre vom Buddhismus und Shintoismus geprägten geistigen Eigenschaften gute Voraussetzungen für ein Bestehen in einem kulturellen „Survival of the fittest“ (Spencer) habe. Hearn wurde 1850 in Griechenland geboren, wuchs in Dublin auf und zog schließlich mit 19 Jahren nach Amerika, wo er als Journalist arbeitete. Nach Japan kam Hearn erst 1890, als Englischlehrer für einer Schule in Matsue (in der heutigen Präfektur Shimane), wo er schließlich eine Familie gründete. Im Jahr 1896, als auch Kokoro erschien, nahm er unter dem Namen Koizumi Yakumo die japanische Staatsbürgerschaft an. Weiterlesen

Okakura Kakuzo – Das Buch vom Tee

teeOkakura Kakuzo wurde 1862 als Sohn einer wohlhabenden Samurai-Familie in Yokohama geboren, wodurch er einen besonderen Bildungsweg genießen konnte. Neben seinem Interesse an der chinesischen Kultur und Sprache widmete er sich in der Folge dem Studium der englischen Sprache, welches er schließlich 1880 an der kaiserlichen Universität in Tokyo mit Auszeichnung absolvierte.

Bis zu seiner Gründung einer Einrichtung zur Erhaltung japanischer Kunstgegenstände, der Nippon Bijutsu-in, reiste er mehrmals nach Europa, China, Indien und Amerika. Außerdem war Okakura als Direktor der neuen Kunstakademie in Tokyo tätig. In der Meiji-Ära, als Japan von westlichen Vorbildern geprägte Modernisierungsprozesse durchlief, versuchte Okakura mit Schriften wie „The Ideals of the East“ (1903), „The Awakening of Japan“ (1904) und eben dem Buch vom Tee, im Original „The Book of Tea“ (1906), die japanische Kultur im Westen bekannt zu machen. Dabei war es ihm ein besonderes Anliegen, auch den Japanern selbst ihre eigene kulturelle Herkunft bewusst zu machen und sie dazu aufzufordern, eigene kulturelle Schätze besser zu schützen. Weiterlesen

Friedrich Sieburg – Die stählerne Blume

Sieburg1Im Jahre 1939, kurz vor dem Ausbruch des Krieges in Europa, befindet sich Japan mitten auf dem Vormarsch in Ostasien. Korea und Taiwan zählen bereits zu den Kolonien Japans und große Teile von China sind besetzt oder stehen unter japanischem Einfluss. Die japanische Militärfraktion strebt mit ihrer Ideologie „Asien den Asiaten“ einen Zusammenschluss der ostasiatischen Länder, insbesondere China, unter japanischer Herrschaft an. Erklärtes offizielles Ziel ist es, unter der Führung Japans die europäischen Großmächte aus Asien endgültig zu vertreiben.

Zu dieser Zeit unternimmt der deutsche Schriftsteller und Literaturkritiker Friedrich Sieburg eine mehrmonatige Reise nach Japan und fasst seine Eindrücke und Erfahrungen anschließend in seinem Buch „Die stählerne Blume“ zusammen. Vor allem das Wesen der japanischen Kultur und der Gedanke hinter der Expansionspolitik Japans stehen dabei im Vordergrund. Seine Schilderungen reichen von Japans Religion über das Frauenbild bis zur damaligen Außenpolitik.  Weiterlesen

Eugen Herrigel – Zen in der Kunst des Bogenschießens

Herrigel1Herrigels Buch Zen in der Kunst des Bogenschießens ist eine der meisverkauften klassischen Japanbeschreibungen mit inzwischen über 40 verkauften Auflagen im Deutschen und Übersetzungen in viele Sprachen. Herrigel war Professor in Heidelberg, als er 1924 das Angebot erhielt, an der Kaiserlichen Tôhoku-Universität in Sendai zu lehren, welches er annahm und sich dadurch bedingt bis 1929 in Japan aufhielt. Sein starkes Interesse an Mystik, die er in Japan als stark präsent glaubte, begünstigte seine Entscheidung, die Stelle anzutreten.

Viele Wissenschaftler erheben in ihren Werken den Anspruch auf Gültigkeit ihrer Ausführungen, da sie vor Ort geforscht hätten und damit direkter Zeuge der von ihnen dargelegten Sachverhalte seien. Dieser Eindruck entsteht auch im Erfahrungsbericht des Deutschen Eugen Herrigel, der 1951 unter dem Titel „Zen in der Kunst des Bogenschießens“ veröffentlicht wurde.   Weiterlesen