Migration, Border Controls and Democracy in Postwar Japan

Morris-Suzuki, Tessa (2006): „The Wilder Shores of Power: Migration, Border Controls and Democracy in Postwar Japan“. In: Thesis Eleven 86. 6–22.

Geschichte könne auf globaler Ebene am Besten von den Grenzen aus angegangen werden, so Tessa Morris-Suzuki. Sie verfolgt mit ihrem Artikel das Ziel, die Nachkriegsgeschichte Nord-Ostasiens von der japanisch-koreanischen Grenze aus zu betrachten. Spezieller: vom Abschiebelager Ōmura in Nagasaki, während der 1950er und 1960er Jahre.

Morris-Suzuki geht es vor allem darum zu zeigen, dass das japanische Einwanderungsgesetz nicht als Resultat der kulturellen Homogenität des japanischen Volkes zu verstehen ist. Sie stellt die Entstehung des Gesetzes vielmehr in einen globalen Kontext und führt seine Entstehung auf eine Zusammenarbeit zwischen amerikanischen Besatzern und japanischen Politikern zurück. Zudem verdeutlicht sie, wie sich in diesem Gesetz die Politik des Kalten Krieges widerspiegelt.

Anhand des Begriffs „wild zone of power“ hebt Morris-Suzuki hervor, wie moderne demokratische Staaten sich das Recht vorbehalten, in Grenzzonen die Macht des Staates über die der Gesetze zu stellen. Sie legt dar, wie durch die japanische Grenzpolitik ein rechtsleerer Raum geschaffen wurde. Die koreanische Minderheit in Japan lebt sozusagen in dieser „wild zone“, ist abhängig vom Wohl wollen japanischer Beamter und  wurde zum politischen Spielball zwischen Japan und Korea.

Durch die Geschichte Ōmuras sei, laut Morris-Suzuki, nicht nur eine differenziertere Sicht auf die Ereignisse der Nachkriegsjahre in Nord-Ostasien möglich, sondern es würden auch Fragen aufgeworfen, die für die heutige Zeit des „global war on terror“ (19) relevant sind. Besonders wenn im Zusammenhang mit dem Schlagwort „national security“ (20) Grenzkontrollen verschärft und Einwanderung erschwert werden, so schließt Morris-Suzuki ihren Artikel, müssten Wege gefunden werden, Demokratie bis in die „wild zones of power“ auszuweiten. Geschehen könne dies zum einen durch eine klare Gesetzgebung und zum anderen durch grenzübergreifende NGOs, die sich für die Interessen und Rechte von Migranten und Staatenlosen einsetzen.

Die Wahl Ōmuras als Ausgangspunkt für ihre Betrachtung ermöglicht es Morris-Suzuki sowohl die Lage der Koreaner in Japan und die schwierigen diplomatischen Beziehungen zwischen Korea und Japan, als auch die amerikanische Besatzungspolitik und Demokratisierung Japans in einen gemeinsamen übergeordneten Kontext zu stellen: die Situation des Kalten Krieges. Der Artikel ist, trotz der komplexen Problematik, auch ohne größere Japan-Vorkenntnisse gut verständlich, da er sich nicht an ein Japan wissenschaftliches Publikum richtet. Er bietet einen interessanten Überblick und wirft Fragen auf, die zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema anregen.

CS