Visual Culture and Organized Labor’s Critique of U.S. Hegemony in Occupied Japan

Gerteis, Christopher (2007): „The Erotic and the Vulgar – Visual Culture and Organized Labor’s Critique of U.S. Hegemony in Occupied Japan“. In: Critical Asian Studies 39: 1. 3–34. 

Anhand von politischen Cartoons analysiert Christopher Gerteis die Verwendung von weiblichen Körpern in der Propaganda japanischer Gewerkschaften Ende der 1940er Jahre. Er wählt als Ausgangspunkt den Streik der Tôhô Motion Picture Studios Gewerkschaft im August 1948, da dieser oft als Wendepunkt der amerikanischen Besatzungspolitik gesehen werde. Hatten die USA in den direkten Nachkriegsjahren noch die Bildung von Gewerkschaften in Japan als Mittel zur Demokratisierung unterstützt, so steht die militärische Unterdrückung des Tôhô Motion Picture Studios Streik für die Politik des Kalten Krieges und die, so Gerteis, unbegründete Befürchtung, der Streik sei von der Soviet Union initiiert gewesen.

Gerteis schildert einerseits ausführlich den Verlauf des Streiks und wie die Frauen der Gewerkschaften unter Druck gesetzt wurden ihre politischen Ziele – Gleichberechtigung am Arbeitsplatz – denen der Männer unterzuordnen und der Gewerkschaft, durch ihre „Weiblichkeit“, ein sympathisches Gesicht zu verleihen. Des weiteren geht er, im Zuge der Cartoon Analysen, auf die Geschichte der Verwendung weiblicher, oft sexualisierter, Körper in der Propaganda ein. Seine ausgesuchten Bespiele behandeln Darstellungen in denen die japanischen Nation von einem pan pan girl (Prostituierte) verkörpert wird oder cross-dressed Politikern. „Weiblichkeit“ werde hier einerseits benutzt, um Schwäche zu symbolisieren – die bedrohte japanische Nation in Gestalt der nackten Prostituierten, welche von einem dicken Kapitalisten, der für den amerikanischen Kultur-Imperialismus steht, beschenkt wird – aber auch um die Kritik zum Ausdruck zu bringen, Japan verkaufe sich wie eine Prostituierte an die USA.

Die Kritik Gerteis zielt darauf aufzuzeigen, dass die Propaganda der Gewerkschaften mehr über die Einstellung der Männer zu Sex und Gender verrate, als dass sie die Frauen der Gewerkschaft repräsentiert. Nicht nur habe diese Darstellungsweise die Frauen ihrer Stimme beraubt, die Verwendung der pan pan girls sei zudem problematisch, weil sie Japan als Opfer des amerikanischen Imperialismus darstellt, wo eine kritische Auseinandersetzung mit der japanischen Kolonialvergangenheit nötig gewesen wäre.

Der Artikel ist durch die Abbildungen von Streik-Plakten sehr anschaulich und durch einige Exkurse sehr ausführlich gestaltet. Neben der Gender-Thematik bietet er auch ein interessantes Beispiel amerikanischer Besatzungspolitik und japanischer Gewerkschaftsbewegung.

 CS