The Japanese American Body in the Detective Fiction

Harris, Marla (2007): “Passing and Posing: The Japanese American Body in the Detective Fiction of Sujata Massey and Dale Furutani.” In: Journal of Popular Culture 40: 3. 433–453.

Das Zeitalter der im Arbeitszimmer analysierenden Detektive im Morgenmantel ist vorbei: Moderne Detektive – und vor allem: Detektivinnen – sind räumlich mobil und arbeiten oft genug länderübergreifend. In einer „multicultural detective fiction” (448) liegt in ihrer Herkunft wie ihrem Geschlecht oft der Schlüssel zur Lösung dieser Fälle.

Marla Harris widmet sich einem besondern Typus dieses neuen (männlichen und weiblichen) Ermittlers: Sie untersucht den japanisch-amerikanischen Detektiv in der Auseinandersetzung mit seinen Identitäten anhand der weiblichen Figur Rei Shimura in den Romanen Sujata Masseys und Dale Furutanis männlichen Protagonist Ken Tanaka. Beide Autoren zeigen dabei laut Harris neue Ansätze im Genre des Kriminalromans „to challenge the stereotyping and commodification of persons on the basis gender, racial, ethnic and national identity” (435).

In Sujata Masseys Romanen „Zen Attitude” (1997, dt. Übersetzung „Zuflucht im Teehaus”), „The Floating Girl”(2000, dt. Übersetzung „Tödliche Mangas”) und „The Bride’s Kimono” (2001, dt. Übersetzung „Der Brautkimono”) sieht Harris den Schwerpunkt in der Identitätskonstruktion der Figuren als „passing” durch die Inszenierung des weiblichen Körpers durch japanische und westliche Kleidung. Bei Dale Furutanis Figur des auf Hawaii geborenen Ken Tanaka in „Death in Little Tokyo” (1996, dt. Übersetzung „Tod in Little Tokyo”) und „The Toyotomi Blades” (1997, keine dt. Übersetzung) dagegen ist es das japanisches Aussehen und „Posing” als Detektiv des „culturally assimilated American” Tanaka (445), das Konflikte auslöst.

Der theoretische Ansatz, eine neue Detektivfigur zu untersuchen, weckt hohe Erwartungen, denen Harris nicht immer gerecht wird. So konzentriert sie sich in ihrer nach den Autoren getrennten Analyse ungleichmäßig stark auf die Romane von Sujata Massey. Ihre Beschreibung einer -auch den Autoren nahen- „hyphenated identity” (447) eines gegenwärtigen Detektivs geht in der weitgehend deskriptiven und teilweise ungeordnet wirkenden Analyse fast aller Figuren unter. Wer (nicht nur wissenschaftliches) Interesse an den behandelten Kriminalromanen selbst hat, sollte Harris Untersuchung mit besonderer Vorsicht lesen: sie raubt potentiellen Lesern die Spannung, indem sie die Mörder verrät.

PB