The United Red Army and Its Deadly Pursuit of Revolution

Igarashi, Yoshikuni (2007): “Dead Bodies and Living Guns. The United Red Army and Its Deadly Pursuit of Revolution, 1971-1972”. In: Japanese Studies 27: 2. 119–137.

Im Februar 1972 verfolgten knapp 90% der japanischen Zuschauer die Erstürmung eines Hotels in den japanischen Alpen im Fernsehen. Dort hatten sich die letzten Mitglieder der „Vereinigten Roten Armee“ Japans verschanzt und versuchten erbitterten Widerstand zu leisten. Nach einer mehrstündigen Schießerei wurden sie alle festgenommen. Unmittelbar nach dem Vorfall äußerten viele Japaner Sympathie mit den terroristischen Kämpfern. In den folgenden Monaten wurde jedoch bekannt, dass die Vereinigte Rote Armee sich vor ihrem Ende in schwere innere Konflikte verstrickt durch zahlreiche Fälle von Folter ihrer Mitglieder und zehn Exekutionen selbst eliminiert hatte. Die grauenvollen Details dieser paranoiden Selbstzerstörung kosteten die Vereinigung jegliche Zustimmung und versetzten der “Neuen Linken” in Japan einen schweren Schlag.

25 Jahre nach diesem unrühmlichen Ende lässt Igarashi die Geschichte der Vereinigten Roten Armee noch einmal detailliert Revue passieren. Die VRA entwickelte sich aus verschiedenen Spaltungsprozessen innerhalb der Neuen Linken nach dem Ende der Studentenproteste 1968/69. Sie versuchte, den marxistisch-maoistischen Kampf gegen den japanischen Kapitalismus und die wahrgenommenen Auswüchse der Konsumgesellschaft zu radikalisieren. Vor allem die ideologischen Abwege, die zur Selbstzerstörung führten, werden von Igarashi dabei beleuchtet. In einer völligen Verleugnung der eigenen Körper, und dabei insbesondere derer der zahlreichen weiblichen Mitglieder, wurde schonungslos individuelle Selbstkritik geübt, um die eigenen bourgeoisen Wurzeln kappen und die wahre marxistische Gesinnung demonstrieren zu können. Ironischerweise endete der Kampf gegen die Konsumgesellschaft in einer Inszenierung des Widerstandes für das Fernsehen: “Their final battle […] was less a radical act than an entertainment, being eagerly consumed by the media audience.”

Igarashis Artikel bietet einen dichten Überblick über diesen wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der japanischen Linken. Allerdings vermag es Igarashi kaum, über eine reine Beschreibung dieses Ereignisses hinauszuweisen. Dafür hat der Text fast schon literarische Qualitäten wenn die einzelnen Stufen des Wahnsinns innerhalb der hermetisch abgeschlossenen Gruppe selbsternannter „Weltrevolutionäre“ geschildert werden.

CT