The Meiji Village in the Russo-Japanese War

Partner, Simon (2007): “Peasants into Citizens? The Meiji Village in the Russo-Japanese War”. In: Monumenta Nipponica 62: 2. 179–209.

In seiner klassischen Studie „Peasants into Frenchmen“ hat Eugen Weber vor rund 30 Jahren nachgezeichnet, wie das ländliche Frankreich nach und nach in die Nation integriert wurde. Ähnliche Entwicklungen versucht Simon Partner für Japan in der späten Meiji-Zeit aufzuzeigen. Mithilfe von Tagebuchaufzeichnungen eines Mitglieds der ländlichen Elite in der Präfektur Kanagawa verfolgt er die Auswirkungen des Russisch-Japanischen-Krieges auf das dörfliche Leben. Während die historische Forschung bislang eher die Jahre um 1890 als Wendepunkt angesehen hat, zeigt Partner, dass die ländliche Bevölkerung selbst 1905 noch nicht völlig zu Bürgern einer einheitlichen Nation geworden war. Die Eisenbahn musste periphere Gemeinden erst noch erreichen, so dass selbst der Kontakt zwischen dem Dorf und der lokalen Verwaltung höchst zeitaufwendig war. Auch war das Alltagsleben noch stark von agrarischen, lokalen Rhythmen geprägt und nur teilweise national integriert. Vor allem aber verhinderte die wirtschaftliche Lage, dass Patriotismus einen allzu großen Raum in den Köpfen der Menschen hätte einnehmen können – „it was money more than emperor or nation that was the great reality.“ Die Unterschiede im Einkommen und Vermögen sorgten für scharfe Trennlinien in der dörflichen Bevölkerung, die kaum durch ein nationales Einheitsgefühl zu überwinden waren. Schließlich verwundert es kaum, dass Partner zum Schluss kommt, der Russisch-japanische Krieg wäre in der Bevölkerung nicht sonderlich populär gewesen. Statt den Patriotismus anzuheizen stürzte er die kleinen Leute teilweise in existenzielle Krisen. Ein „national view“ konnte sich unter ihnen nur unzureichend entwickeln.

Die Mikrostudie von Partner vermag es insgesamt höchst anschaulich, Einblicke „into the ’emperor-system’ state at work“ zu geben. Sie beantwortet die Frage nach dem Grad der nationalen Integration und der Modernisierung durch viele konkrete Beispiele und ist deshalb ein wichtiger, durch Quellen gut fundierter Beitrag zur Diskussion um Nationen und Nationalismus. Auch wer einfach einmal ein bisschen in das japanische Leben um 1900 eintauchen will, kann den Artikel mit Gewinn lesen.

CT