‘War as Entertainment’ and Counter-narratives

Penney, Matthew (2007): “‘War Fantasy’ and Reality – ‘War as Entertainment’ and Counter-narratives”. In: Japanese Studies 27: 1. 35–52.

In seinem Aufsatz untersucht Penney das Genre der sogenannten ‚war fantasy’ (kasô senki, kûsô senki oder kakû senki), das sich in verschiedenen Medienformen mit dem Pazifikkrieg auseinandersetzt. Anhand von ausgewählten Beispielen zeigt er, dass viele Werke Gegenentwürfe zu einer beschönigenden Erzählung des Pazifikkrieges darstellen: „works of war fantasy frequently challenge both the ‚victim’s history’ view of the war peroid and the government silence” (37). Penney strebt somit die Widerlegung des – auch japanwissenschaftlichen -Vorwurfes an, dass das Genre der ‚war fantasy’ die japanische Kriegsvergangenheit unkritisch oder verherrlichend seinem Publikum präsentiert.

Die untersuchten und kurz vorgestellten gedruckten Werke umfassen sowohl Manga, historische Romane wie populärwissenschaftliche Geschichtsbücher vom Anfang der 1960er bis zur Mitte der 1990er Jahre. Penney wählt einen autorenzentrierten Ansatz und fasst dabei u.a. Kaizuka Hiroshis: „Zero-sen reddo” (1961) und „Reppu” (1973), Maruo Suehiros „Nihonjin no wakusei” (1985), Fujiko F. Fujios „Chôheiki Ga ichigô” (1987) Mino Masahiros „Wakariyasui Nitchû sensô” (1998) und Aramaki Yoshios „Konpeki no kantai” und „Kyokujitsu no kantai” (1990/1992) zusammen.

Der Artikel eignet sich durchaus zur Einführung in das Thema Umgang mit der (Kriegs)Vergangenheit in der Populärkultur Japans: Die kurze Vorstellung verschiedener Autoren und Werke im historischen Rahmen eröffnet die Möglichkeit, auf dieser Grundlage weiterführende Arbeiten aufzubauen. Aber es geht Penney weniger um eine detaillierte Untersuchung der einzelnen Werke, sondern vor allem um eine teilweise Rehabilitierung eines Genres, das in der internationalen Presse den laut Penney zweifelhaften Ruf genießt, extrem nationalistisch und militaristisch geprägt zu sein.

Obwohl ihm anhand seiner Beispiele der Gegenbeweis eines vielseitigen und z.T. kritischen Genres gelingt, bleibt die Frage offen, wie einflussreich die von Penney beschriebenen Gegenentwürfe zu einer revisionistischen Kriegsdarstellung wie etwa in Kobayashi Yoshinoris „Sensôron” sind. Auch wird nicht deutlich, in wie weit die Werke ein Massenpublikum erreichen oder wie sie innerhalb dieses Publikums rezipiert werden. Leider beschränkt sich die Untersuchung auf die Textebene und deckt bei den Manga die Bildebene nicht ab.

PB