A Comparison of Comic Book Propaganda from World War II and September 11

Scott, Cord (2007): „Written in Red, White, and Blue: A Comparison of Comic Book Propaganda from World War II and September 11“. In: Journal of Popular Culture 40: 2. 325–343.

Rund 60 Jahre liegen zwischen dem 7. Dezember 1941 und dem 11. September 2001: Der japanische Angriff auf Pearl Harbor und der Anschlag auf das World Trade Center sind für Cord Scott bestimmende Momente in der Geschichte Amerikas, das sich beide Male in der ungewohnten Position eines angegriffenen Landes sah. Anhand ausgewählten Comics größerer und kleinerer Verlage beschäftigt er sich mit der Frage, wie der Comic als populäres visuelles Medium Krieg und Terrorismus für ein zumeist junges Publikum präsentierte und dabei Einfluss auf dessen Meinungsbildung auszuüben versuchte.

Vor und während des Zweiten Weltkrieges wurde in vielen Comics eine direkte Intervention der USA gefordert und diese nach Kriegseintritt weiter im Medium unterstützt. Die zumeist männlichen Superhelden, die aktiv ins Kriegsgeschehen eingriffen, zeichneten sich äußerlich und innerlich mit „strong broad shoulders, chiseled features and a superior knowledge of science and technology“ (328) aus und standen den immer mehr stereotypisierten bösartigen (und vor allem zunehmend asiatischen) Schurken gegenüber.

In der Reaktion auf den 11. September findet Scott eine Erweiterung der Erzählmuster, in denen zusätzlich zu den Superhelden neue, „echte“ Helden wie Polizisten und Feuerwehrleute thematisiert werden. Dieser realistischere Ansatz übertrug sich auch auf die Bösewichte, die sowohl in ihrer Erscheinungsweise als auch in ihren Motiven geringer stereotypisiert dargestellt werden. Dennoch zeigt sich gerade in weniger auflagestarken Comics kleinerer Verlage ein Trend zu einer verzerrten humoristischen Verarbeitung in „adolescent fantasies of hunting down and killing those responsible“ (338).

Der kurze Überblick, den Scott genreübergreifend zur Verarbeitung von Krieg und Terrorismus anhand ausgewählter Comics gibt, ist durchaus interessant: Entwicklung und Wandel der männlichen und weiblichen Helden/innen und Schurken/innen laden zu einem weitergehenden Vergleich ein. Der Einsatz von Comics als persönlicher, später staatlich geduldeter und gelenkter Versuch zur Propaganda während des Zweiten Weltkriegs steht dabei im Gegensatz zu einer differenzierteren, auch individuell künstlerischen Antwort auf den Anschlag des 11. Septembers.

Allerdings kann die Repräsentativität der Beispiele für den angekündigten Vergleich in Frage gestellt werden, da eine Gewichtung der exemplarischen Untersuchungsgegenstände etwa nach Auflage, Verlag, Popularität oder Geschichte der Figuren fehlt. Dies ist besonders auffällig bei der Beschreibung der Verarbeitung des 11. Septembers in Comics aus kleineren Verlagen. Scott beschäftigt sich wenig mit der Rezeption der Beispiele und so ist seine abschließende Schlussfolgerung, dass trotz eines steigend älteren Publikums die Aufgabe des Mediums Comics auf einen „active way of teaching children how to think“ beschränkt sei, mehr als zweifelhaft.

PB