Changing Media, Changing Politics in Japan

Taniguchi, Masaki (2007): „Changing Media, Changing Politics in Japan“. In: Japanese Journal of Political Science 8. 147–166.

Taniguchis Artikel behandelt den Wandel der Massenmedien im Zusammenhang mit der demokratischen Politikpraxis seit den 1990er Jahren. Anhand einer Kombination von qualitativen und quantitativen Methoden arbeitet Taniguchi im politischen Alltag Japans eine zunehmende „infotain-ization“ (164) heraus. Politikvermittlung wird in Unterhaltungsprogrammformaten mit Erfolg präsentiert und im Markt platziert. Besonders Ministerpräsident Koizumi hat durch seine Medienpräsenz auffallend an Popularität gewonnen.
An der Zunahme der Bedeutung der Medien manifestiert Taniguchi seine These, dass sich auch die politische Praxis gewandelt hat und sich noch weiter wandeln wird. Veränderungen sieht er bei Wahlen, dem Gesetzesformulierungsprozess und internen Parteistrukturen. Durch die Einerwahlkreise und das kompetitive Element dieses Wahlsystems bietet das Medium Fernsehen eine willkommene Plattform für Wahlkämpfe. Des Weiteren kann die relativ schwache Opposition sich in den Medien einen eigenen Öffentlichkeitsraum schaffen. So hat der Wandel der Massenmedien auch Auswirkungen auf den Gestaltungsprozess der Politik.
Taniguchi führt außerdem an, dass z.B. die Gesetze zur Umstrukturierung der Finanzen und zur Privatisierung der Post nur durch die breite Öffentlichkeit der Medien durchsetzbar waren. Ferner werden die Organisationsstrukturen der Parteien durch die Veränderungen beeinflusst. Politische Existenz in Parteien und Exekutiven ist demnach eng verknüpft mit der Medienpräsenz und den telegenen Eigenschaften der politischen Köpfe. Jüngere Abgeordneten erhalten so trotz des Senioritätsprinzips die Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen. Nachteile des Wandels sieht der Verfasser darin, dass der politische Diskurs häufiger von persönlichen Attacken geprägt wird. Da Medienpräsenz weitestgehend durch Attraktivität sichergestellt werden kann, ist eine Zunahme aufsehenerregender Aktivitäten zu verzeichnen.
Der Artikel ist eine gute Grundlage für den Bereich Medienwirksamkeit von Politik und Politikvermittlung durch die Medien. Auch wenn einige Statistiken und Grafiken z.T. schwer zu verstehen sind, geben die Interviewzitate gute Informationen preis, denn die Befragten (ehemalige Minister und hochrangige politische Entscheidungsträger) sind Insider des politischen Systems. Der Text bietet zahlreiche Anschlussmöglichkeiten für Forschungsfelder wie z.B. die Parteien- und Policyforschung oder den Policyvergleich.
Der Text setzt relativ gute Kenntnisse des politischen Systems in Japan voraus und ist gut geeignet für politik- bzw. sozialwissenschaftlich ausgerichtete Japanforscher.
WV