Transforming Milk in a Global Economy

Wiley, Andrea S. (2007): „Transforming Milk in a Global Economy“. American Anthropologist 109: 4. 666–677.

Lange Zeit wurde Milch nur in westlichen Ländern in größeren Mengen konsumiert. In Asien wurden wichtige Nährstoffe dagegen über Sojaprodukte abgedeckt. Andrea Wiley untersucht, wie Milch in den letzten Jahren in der Herstellung, im Konsum und symbolisch zu einem globalen Produkt geworden ist. Dazu vergleicht sie die Entwicklung in den USA und China. Während der Milchkonsum in den USA seit Jahrzehnten stagniert bzw. sogar leicht zurück geht, ist Milch in China in dieser Zeit geradezu zu einem Modeprodukt geworden. Daher versucht die Milchwerbung in den USA, das Getränk als gesund und hip darzustellen. Es wird sogar behauptet, Milch könne im Kampf gegen Übergewicht helfen.

In China ist der Milchverbrauch dagegen zur nationalen Angelegenheit geworden, um die „population quality“ des Landes zu erhöhen. Wiley empfindet dies als geradezu ironisch, da Milch früher als Getränk der Mongolen und damit als un-chinesisch galt. Wissenschaftliche Studien aus den 1920er Jahren werden nun in China herangezogen, die zeigen sollen, dass Milch das Körperwachstum befördern würde. In Verbindung damit werben erfolgreiche Athleten für Milch, mit Hilfe derer sich die körperliche Unterlegenheit der Asiaten ausgleichen ließe. Doch auch ganz handfeste Interessen stehen hinter der Kampagne, denn die chinesischen Großmolkereien sollen zu internationalen Konzernen aufgebaut werden. Ein Problem stellt dabei jedoch die Milchunverträglichkeit bei vielen Chinesen dar.

Wiley gelingt es gut, die verschiedenen Dimensionen der Globalisierung von Milch darzustellen und ihr Aufsatz ist sicherlich auch für die Japanforschung von Interesse, nicht nur weil Japan mehrmals Erwähnung findet. Die Entwicklungen in China stehen generell für die Globalisierung von Nahrungsmittelmärkten. Dass Milch dabei als Inbegriff von Natur vermarktet wird, obwohl sie in industriellen Prozessen stark verändert wird, ist eine weitere spannende Seite. Als Schwäche kann man dem Aufsatz jedoch ankreiden, dass eine theoretische Einordnung der Ergebnisse auf einer etwas allgemeineren Ebene kaum stattfindet.

CT