Borgesian Maps and Epistemological Pitfalls

Bunzl, Matti (2008): “The Quest for Anthropological Relevance. Borgesian Maps and Epistemological Pitfalls”. In: American Anthropologist 110: 1. 53–60.

In seinem Essay versucht Bunzl, die Frage zu beantworten, welche disziplinären Moden dazu geführt haben, dass die Ethnologie in den USA an öffentlicher Wahrnehmung eingebüßt hat. Früher hatten Ethnologinnen und Ethnologen wie Margareth Mead oder Ruth Benedict (in der Japanologie bekannt und umstritten durch ihr Buch „The Chrysanthemum and the Sword“) eine breite Leserschaft. Die kritische Aufarbeitung der Grundlagen ihres eigenen Faches in den letzten drei Jahrzehnten macht es jedoch den Ethnologen heutzutage schwer, Aussagen zu treffen, die auch einer breiten Öffentlichkeit relevant erscheinen.

Bunzl fasst die Entwicklungen, die seit der grundlegenden Reformulierung des Kulturbegriffs durch Clifford Geertz Anfang der 1970er Jahre zu dieser Malaise geführt haben, verständlich zusammen. Er zeigt, wie die Ethnologen vor allem seit dem Band „Writing Culture“, der 1986 von James Clifford und George Marcus herausgegeben wurde, den Kulturbegriff immer weiter dekonstruiert haben. Dadurch ist jedoch das ursprüngliche Betätigungsfeld der Ethnologie, eben die Untersuchung von Kultur, so sehr aufgebrochen worden, dass sich die Forschung auf immer komplexere und spezialisiertere Felder stürzen musste.

Durch den Versuch, Generalisierungen und Essentialisierungen zu vermeiden, die im ursprünglichen Kulturmodell unvermeidlich und auch erwünscht waren, verlieren sich Ethnographien in ihrer eigenen Reflexivität und im Versuch Machtverhältnisse zu beschreiben. Dabei sind die neu eingesetzten Kategorien nicht weniger problematisch: „Categories like ‚race‘, ‚class‘, and ‚gender‘, after all, are no less essentializing than ‚culture‘“, schreibt Bunzl.

Auch wenn Bunzls Lösungsvorschlag, Generalisierungen der mittleren Ebene wieder zuzulassen und sich dabei auf die Tradition Max Webers oder Franz Boas zu besinnen, nicht völlig überzeugt, ist der Essay sehr lesenswert. Die Analyse ist klar und erlaubt es auch weniger fortgeschrittenen Lesern, einen Einblick in die aktuelle Misere der Ethnologie zu erhalten. Zudem lassen sich viele Schlussfolgerungen Bunzls auf die Geisteswissenschaften und dabei insbesondere das Fach Modernes Japan übertragen. Selbst wenn die deutsche Japanologie alleine schon von ihrer personellen Besetzung nie den Anspruch haben wird, den öffentlichen Diskurs maßgeblich zu prägen, sind doch die angesprochenen theoretischen Argumente zu Fragen wie „Writing Culture“ höchst relevant.

CT