Youth, work, and instability in postindustrial Japan

lost-in-transitionBrinton, Mary C. (2011): Lost in transition. Youth, work, and instability in postindustrial Japan. Cambridge Univ. Press: Cambridge u.a. 228 S. ca. 25 €, ISBN 978-0521126007.

 

 

 

Mary Brinton untersucht in ihrem Buch anhand qualitativer und quantitativer Daten, wie und warum Jugendarbeitslosigkeit in Japan im Zuge wirtschaftlicher Veränderungen, die mit dem Ende der „bubble economy“ begannen, an Brisanz zunahm und blickt ebenso auf die Implikationen, die sich für die Jugend sowie die japanische Gesellschaft ergeben.

Der Fokus liegt dabei auf jungen Männern, die im Zeitraum der 1990er Jahre nach einem Schulabschluss in das Berufsleben überwechselten. Diese Generation wird auch als „Lost Generation“ bezeichnet. Die Autorin richtet den Hauptaspekt der Untersuchung und Interpretation des Datenmaterials, welches sie mit Hilfe verschiedener Projekte in Japan sammelte, vor allem auf Männer, die nach einem Mittel- oder Oberschulabschluss in das Berufsleben überwechselten. Es wird dafür das Zusammenspiel der Institutionen beschrieben, die einen Übergang in das Berufsleben bestimmen und wie die sich diese in der Zeit der wirtschaftlichen Wachstumsphase etablierten sowie deren Dysfunktionen durch die Veränderungen in den 1990er Jahren. Die etablierten Strukturen eines Arbeitsmarktes für junge Menschen, die Aufgabe der Schule als Berater und Vermittler sowie die Bindung von Schulen an lokale oder regionale Firmen zerfielen, so dass sie den erfolgreichen Übergang von der Schule in die nächste Phase der Berufstätigkeit kaum mehr gewährleisten konnten und junge Männer andere Strategien anwenden mussten.

Die Signifikanz des Überganges vom Ort „Schule“ zum Ort „Firma“ wird über die Begriffe shakaijin (erwachsenes Mitglied der Gesellschaft) und kaishain (Mitglied einer Firma) verdeutlicht, wobei Brinton auf den von Nakane Chie entlehnten Begriff ba (Raum oder Rahmen) zurückgreift, den sie jedoch als „social location“, also „sozialen Standort“, verstanden haben möchte, da er die Möglichkeit bietet, mit einzubeziehen wie jemand von Außen die Position eines Individuums definiere bzw. charakterisiere.

Im Idealfall eines gelungenen Übergangs von der Schule in den Beruf, ginge es Schulen und Lehrern vorranging darum, eine Firma für die Schüler zu finden, d.h. den Ort, der sie zu Erwachsenen macht und nicht darum, dem jungen Menschen zu einer Arbeit zu verhelfen, die seinen Eigenschaften und Fähigkeiten entspricht. Brinton problematisiert, dass dieser Idealfall nur schwerlich durch die etablierten Institutionen erreicht werden kann. Das Zusammenbrechen des Zusammenspiels dieser verschiedener Institutionen und den daraus für junge Männer erwachsenen Problemen äußerten sich in der Gesellschaft in dem veränderten neue Lebensstil junger Erwachsener, die schneller und öfter die Arbeitsstellen wechseln, länger zu Hause leben und kein Interesse an Ehe und Kindern haben. Vor allem die letzten beiden Punkte beschreiben zwei der drei Aspekte, die neben einer Vollzeitbeschäftigung erreicht werden sollten, um als „verantwortlicher Erwachsenen“ in Japan zu gelten.

Auch wenn die Analysen sich zum Großteil auf Daten stützen, die aus den 1990er Jahren stammen, bietet Brintons Buch einen gelungenen Überblick über die Veränderungen des Arbeitsmarktes für junge Männer. Das Buch ist jenen zu empfehlen, die einen tieferen Einblick in die institutionalisierten Strukturen des Schulsystems im Hinblick auf Selektion und Chancen auf dem Arbeitsmarkt gewinnen wollen und einen Einblick in die Lebensrealität der Männer, die eine marginalisierte Position auf dem Arbeitsmarkt haben.

CN – Constanze Noack