Human Trafficking for Sexual Exploitation

Dean, Meryll (2008): “Sold in Japan. Human Trafficking for Sexual Exploitation”. In: Japanese Studies 28: 2. 165–178.

Menschenhandel und die sexuelle Ausbeutung der Gehandelten ist ein globales Problem, das im Rahmen der UN von immer mehr Staaten angegangen wird. Japans Position in diesem Kampf ist eine besondere – als einzige Industrienation steht Japan seit 2006 auf einer ‚Watchlist’ des US-Außenministeriums für Länder, in denen die Betroffenen nur unzureichend geschützt werden.

Kritisch bewertet Meryll Dean die Situation Japans und gibt einen strukturierten Überblick über die internationale Gesetzgebung zur Bekämpfung von Menschenhandel im Zwanzigsten Jahrhundert. Für die internationale Gemeinschaft zeigt sie anhand von Abkommen und Zusatzprotokollen der UN seit 2000 den Wandel auf, Menschenhandel zunehmend im Kontext des Kampfes gegen transnationales organisiertes Verbrechen einzuordnen. Damit verbunden ist auch ein neuer Blick auf die Betroffenen, die nun weniger selbst als Gesetzesbrecher, sondern zunehmend als Opfer krimineller Hintermänner betrachtet und betreut werden sollen. Dieser Fokus drückt sich neben der Formulierung der sogenannten 3P-Maßnahmen (prevention, punishment, protection) auch in den sogenannten 3R (rescue, rehabilitation, reintegration) aus.

Für Japan stellt Dean einen deutlichen Gegensatz zwischen den ratifizierten internationalen Verträgen und deren nationaler Umsetzung fest. Die vorhandene Gesetzgebung charakterisiert sie als lückenhaft und unflexibel. Verantwortlich für die schlechte Bewertung Japans im internationalen Vergleich ist für sie eine „socio-cultural acceptance of the ‚entertainment’ industry“ (175), die sich auch in einer wenig restriktiven Regelung der Visumsvergabe an sogenannte „Entertainer“ niederschlägt. Ein weiterer Faktor sei der Einfluss des organisierten Verbrechens (Yakuza/Bôryokudan) in ‚Unterhaltungsindustrie’ und Politik.

Am Beispiel der neueren japanischen Gesetzgebung zeigt Dean, dass sich auch in Japan nach zunehmend internationalem, vor allem amerikanischem Druck ein Trend abzeichnet, die neuen Vorgaben umzusetzen. Die entstandenen Maßnahmen wie der „Action Plan of Measures to Combat Trafficking in Persons“ (2004) und Ergänzungen verschiedener Gesetze erfüllen zwar Voraussetzungen im Bereich der 3P, gehen aber nicht weiter auf spezielle japanische Probleme wie die strittige Visumsregelung oder den Einfluss der Verbrecherkartelle ein. Dean sieht weitere Gesetzesänderungen als nötig an, die eine Umsetzung von 3R-Maßnahmen und die bisher wenig vorhandene Einschätzung der gehandelten Personen als Opfer fördern.

In seiner Kürze eignet sich der Artikel als Überblick, der die internationalen und japanischen Regelungen zusammenfasst. Der deutliche Fokus auf der Gesetzgebung ist für den Laien ein wenig trocken und bei einigen chronologischen Sprüngen manchmal verwirrend. Trotzdem zeigt Dean an wichtigen Punkten interessante Entwicklungen auf.

PB