U.S. Court Rules in the “Okinawa Dugong” Case

Tanji, Miyume (2008): “U.S. Court Rules in the “Okinawa Dugong” Case. Implications for U.S. Military Bases Overseas”. In: Critical Asian Studies 40: 3. 475–487.

Seit vor der Küste Henokos im Norden der Hauptinsel Okinawas Ende der 1990er Jahre ein Dugong gesichtet wurde, entwickelte sich der Umweltschutz und der Schutz dieses bedrohten Säugetiers zu einem wichtigen Argument der Anti-Militär-Bewegung. Über internationale Organisationen wie WWF und Greenpeace erlangten die Aktivisten weltweit Aufmerksamkeit; die Seekühe wurden zum Symbol des Protests gegen den Bau eines neuen US-amerikanischen Heliports vor der Küste Henokos.

Im Mittelpunkt des Artikels steht der gerichtliche Erfolg, den Umwelt- und Anti-Militärbewegung im Januar 2008 verzeichnen konnten. Miyume Tanji berichtet, wie das Gericht des Bundesstaats San Francisco der Klage verschiedener Umweltaktivisten gegen das amerikanische Verteidigungsministerium stattgab. Unter Bezugnahme auf den National Historic Preservation Act konnten NGOs aus Okinawa, von den japanischen Hauptinseln und aus den USA geltend machen, dass der geplante Bau des U.S. Heliports vor der Küste Okinawas die Dugongs und somit „national monuments“ gefährde.

Tanji ordnet diesen Fall in den breiteren Kontext der „transnational civil society“ ein. Das Zusammenschließen verschiedener Gruppen aus Okinawa, von den japanischen Hauptinseln und aus den USA bezeichnet sie als ein Beispiel, wie durch transnationale Kooperationen Konflikte am Ort des Geschehens – zwischen denen, die von der Stützpunktwirtschaft in Okinawa leben und den Anti-Militär-Aktivisten – vermieden werden und, wie sie sagt, ein „deficient democratic system“ – das Japanische – umgangen oder überwunden werden können.

Für die Leser, die nicht mit der Geschichte der Anti-Militärbewegung in Okinawa bekannt sind, gibt Tanji einen kurzen Überblick, führt mit wenigen Worten in die Problematik Henokos ein und schildert, wie es zum Aufbau eines transnationalen Netzwerkes kam. Durch diese Hintergrundinformationen wird auch das Zustandekommen der Idee ersichtlich, in den USA gegen das amerikanische Verteidigungsministerium zu klagen. Nach einer Darlegung der Gerichtsverhandlung widmet sich Tanji zum Ende ihres Artikels den möglichen Folgen und Auswirkungen des Urteils für Henoko und auf einer globaleren Ebene für die amerikanischen Militärstützpunkte im Ausland.

Der Artikel gibt einen guten Einblick in die Problematik und beleuchtet durch seinen aktuellen Bezug die derzeitige Entwicklung in Okinawa. Einige interessante Fragen werden aufgeworfen, die zu einer näheren Auseinandersetzung mit verschiedenen Aspekten anregen.
Beim Lesen des Artikels überrascht jedoch, dass die Autorin von „Myth, Protest and Struggle in Okinawa“ (2006), sich in keiner Weise kritisch mit der Stilisierung des Dugongs zum Symbol für die „Tradition Okinawas“ auseinandersetzt. Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft, wenn das Dugong nicht mehr seine derzeitige strategische Bedeutung für die Widerstandsbewegung einnimmt, von wissenschaftlicher Seite eine kritische Reflexion über die Funktion dieses Symbols stattfindet und die im Protest gegen das amerikanische Militär heraufbeschworenen „Traditionen“ dekonstruiert werden.

CS