Civil Society and the New Civic Movements in Contemporary Japan

Avenell, Simon Andrew (2009): „Civil Society and the New Civic Movements in Contemporary Japan: Convergence, Collaboration, and Transformation“. In: Journal of Japanese Studies 35: 2. 247–283.

In den letzten drei Jahrzehnten ist innerhalb der japanischen Gesellschaft ein verstärktes zivilgesellschaftliches Engagement spürbar geworden. Die herrschende Interpretation dieses Phänomens geht davon aus, dass es zivilgesellschaftlichen Akteuren gelungen ist, die japanische Gesellschaft zu transformieren und die Dominanz des Zentralstaates zu brechen. Avenell hinterfragt dieses Narrativ. Er zeigt auf, dass sich der Staat ebenso wie einige Unternehmen aktiv in die Gestaltung zivilgesellschaftlicher Strukturen einbrachten. Im Zusammenspiel mit alten Bürgerbewegungen und Aktivitäten der 1970er Jahre wurden so Inhalte und Regeln für zivilgesellschaftliches Engagement mitbestimmt.

Der Staat förderte zunächst in den 1970er Jahren Gruppen von Ehrenamtlichen, um die Japanese-style welfare society zu stützen. Zwar sollten vor allem die Familien die Wohlfahrt übernehmen. Doch war auch den Beamten klar, dass es dazu Hilfe bedurfte. Gleichzeitig bildeten sich neue Gruppen, die im Gegensatz zu den 1960er Jahren politisch weniger dogmatisch agierten. Die Gesellschaft sollte vielmehr von innen heraus reformiert werden. Schließlich brachte sich insbesondere Toyota ein. Das Unternehmen hatte in den USA gelernt, dass Aktivitäten der Bürger für alle hilfreich sein könnten. Toyota förderte durch eine eigene Stiftung zahlreiche Gruppen. Durch verschiedene Informationsveranstaltungen trug Toyota auch zur Vernetzung dieser Gruppen bei.

Simon Avenell zeichnet all diese Entwicklungen kenntnisreich nach und wartet mit vielen interessanten Statistiken, aber auch Einzelbeispielen auf. So gelingt es, die Geschichte zivilgesellschaftlichen Engagements in Japan differenziert aufzuarbeiten und zu entmythologisieren. Der Artikel ist durch die Detailfülle zwar nicht immer einfach zu lesen, bietet aber gerade deswegen viele Anknüpfungspunkte. Hausarbeiten und Bachelor-Arbeiten zu Themen aus dem Bereich Zivilgesellschaft, Sozialstaat, politische Bewegungen oder alternde Gesellschaft in Japan werden deshalb um diesen Artikel kaum herumkommen – oder um es positiv auszudrücken: Der Artikel kann für solche Arbeiten höchst gewinnbringend eingesetzt werden.

CT