Reclusion and Struggle in an Edo Suburb

Brecher, W. Puck (2009): “Down and Out in Negishi. Reclusion and Struggle in an Edo Suburb”. In: Japanese Studies 35: 1. 1–35.

Die Edo-Zeit gilt als Ära mit einer strikten Einteilung der Menschen in ein Ständesystem. Dieses System bildete sich auch in der räumlichen Aufteilung der Hauptstadt Edo ab. Die Samurai bewohnten die höheren Gebiete von Yamanote, während die Handwerker und Händler im niedriger gelegenen Areal von Shitamachi lebten. Die Bauern wiederum hatten ihren Lebensmittelpunkt außerhalb der Stadt. Doch es gab auch Orte, die diese strikte Einteilung aufbrachen und damit quer zur offiziellen Politik der räumlichen Segregation standen. Brecher beschreibt mit Negishi einen Vorort Edos, der Einwohner aus allen Ständen versammelte.

Negishi wurde von den literarisch-künstlerischen Kreisen Edos als Zufluchtsort jenseits der öffentlichen Sphäre der Hauptstadt des Bakufu gerne als Wohnsitz angenommen.  Sie siedelten sich hier an, um der Kontrolle des Bakufu auszuweichen und traffen in Negishi auf Bauern und Handwerker. Die soziale Durchmischung des Ortes trug dazu bei, ein eigenes Flair zu schaffen. Darüber hinaus wurde Negishi für seine Naturschönheit gerühmt und häufig in touristischen Büchern der Edo-Zeit beschrieben. Damit schien Negishi geradezu utopische Qualitäten zu besitzen.

Brecher beschreibt den Status von Negishi aus verschiedenen Sichtweisen. Er analysiert, wie es zu seinem utopischen Ruhm kam und wie seine mal mehr mal weniger berühmten intellektuellen Einwohner tatsächlich dort lebten. Einige interessante Punkte, die er in der Einleitung anreißt, werden jedoch leider in der historischen Analyse nicht weiter verfolgt. So ist die Frage nach dem Verhältnis zwischen Öffentlichkeit und Privatheit in der Edo-Zeit für Orte wie Negishi sehr spannend. Zwar zogen sich die Intellektuellen dorthin zurück, um der offiziellen Sphäre des Bakufu zu entfliehen, bildeten in Negishi jedoch intellektuelle Zirkel und waren so keineswegs isoliert. Der Rückzug ins Private hatte also durchaus das Potenzial, eine begrenzte Gegenöffentlichkeit zu erzeugen. Diese und ähnlich wichtige theoretische Vorstöße werden nur im Vorwort und in der Zusammenfassung angesprochen, jedoch kaum richtig im Hauptteil. So muss man sich als Leser einiges am Ende selber zusammenreimen.

CT