Asian Male Domestic Violence Victims: Services Exclusive for Men

Cheung, Monit; Leung, Patrick; Tsui, Venus (2009): “Asian Male Domestic Violence Victims: Services Exclusive for Men”. In: Journal of Family Violence 24: 4.447–462.

Häusliche Gewalt wird inzwischen international thematisiert und als Problem erkannt. Bei der Beratung  wurde bislang häufig nur von einem weiblichen Opfer und männlichen Täter in der Geschlechterbeziehung ausgegangen. Die Prävalenzen vor allem in den westlichen Ländern widerlegen dies und die Gesellschaft reagiert in Teilen bereits auf neue Konstellationen von Täter und Opfer.
Während sich etwa in europäischen Ländern und dem nordamerikanischen Raum die Institutionen auch auf Männer als Opfer häuslicher Gewalt einstellen, stellen Monit Cheung, Patrick Leung und Venus Tsui fest, dass vergleichbare Hilfsangebote in Asien stärker auf Männer in einer Täter-Rolle fixiert sind. Zu der allgemeinen Angst der männlichen Opfer vor einer sozialen Stigmatisierung und Ausgrenzung kommen, so argumentiert das Team um Cheung, in Asien ein ausgeprägtes Schamgefühl, eine stärkere Selbstkontrolle und eine besondere Vorstellung von Maskulinität hinzu. Die Wertevorstellungen, die in Asien geborene Männer mit einem asiatischen Hintergrund ausbilden, werden von Cheung et al. näher dargestellt und kurz erläutert, wobei auch die Wertevorstellungen des westlichen Kulturkreises nicht außer Acht gelassen werden.
Anhand der konkreten Angebote werden die Hilfssysteme für männliche Opfer in Hong Kong, Singapur und in Australien beschrieben. In Australien wird den Opfern in Einzel- und Gruppensitzung mit Hilfe von Telefonkonferenzen geholfen, in Hong Kong und Singapur gibt es ein Angebot von Hotlines für Männer, die Hilfe benötigen. Dazu listen Cheung et al. alle englischsprachigen Internetangebote von Hilfseinrichtungen aus Asien, Europa, Nordamerika und Ozeanien auf.

Der Artikel kann als eine reine Bestandsaufnahme Ansätze für weitere Forschung liefern. Die Darstellung der einzelnen Angebote in einer Tabelle ist übersichtlich und schnell zu erfassen. Allerdings beschränkt sich der Artikel thematisch drastisch durch die sprachliche Fixierung auf rein englischsprachige Angebote und stellt die selbst angesprochenen kulturellen und geschlechtlichen Unterschiede der Opfer kaum in Rechnung. Ebenso fehlt konstruktive Kritik zur Verbesserung der Interventions- und Präventionsmaßnahmen. Neben einer Adressen- und Angebotslisteliste zur Vorbereitung von (Feld-)Forschung ist der Mehrwert des Artikels damit leider gering.

JAS