Social Change and Social Policy in Japan

Fujimura, Masayuki (2009): “Social Change and Social Policy in Japan”. In: International Journal of Japanese Sociology 1: 1. 4–15.

Die vorliegende Sonderausgabe des International Journal of Japanese Sociology befasst sich ausschließlich mit dem sozialen Wandel in Ostasien, übersichtlich gegliedert nach Ländern, diese Rezension beschränkt sich aber auf den Japanbezogenen Artikel.

Der soziale Wandel in Japan seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird hier von Fujimura kurz und präzise auf 15 Seiten zusammengefasst. Dabei betont der Autor, dass die modernen Staaten sich neuen Anforderungen zu stellen haben: der Staat muss mehr Verantwortung übernehmen und die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Staatselementen (Politik, Wirtschaft und Kultur) stehen in einem direkten Zusammenhang zur Sozialpolitik. Zunächst stellt Fujimura dem Leser die Fakten vor, also die Hochentwicklungsphase der japanischen Wirtschaft mit den gesamtgesellschaftlichen Folgen (steigendes Volkseinkommen, Erhöhung des Lebensstandards etc.) des entstandenen Wohlfahrtstaates. Mit der folgenden Phase am Ende des 20. Jahrhunderts beschreibt er die Veränderungen zur Wohlfahrtsgesellschaft mit ihrem Wohlfahrtspluralismus. Dabei zeichnet er eine besonders eindeutige Matrix aus (Post-)Moderne und (Post-)Wirtschaft, in deren einzelnen Sektoren sich die Entwicklung des Staates befindet. Nach einem historischen Überblick über die verschiedenen Stufen der Sozialpolitik in Japan stellt Fujimura die realen Veränderungen dar, die die japanische Wirtschaft in Bezug auf den sozialen Wandel durchlaufen hat (industrieller Strukturwandel; demographischer Wandel; Beschäftigungswandel; Wandel der Sozialausgaben). Hieran schließt ein Ausblick zu den zukünftigen Anforderungen an den japanischen Sozialstaat. Neben der Globalisierung steht dabei vor allem die Polarisierung der Gesamtgesellschaft in Verbindung mit dem Ausschluss von ganzen Bevölkerungsteilen durch die Pluralisierung des Arbeitsmarktes. So schließt Fujimura, dass Japan bisher den Anforderungen des 21. Jahrhunderts noch nicht gewachsen zu sein scheint, da es noch keinen systemischen Wandel des Sozialstaates Japan gegeben hat. Dabei sieht er vor allem die Individualisierung im Beck’schen Sinne als besondere Herausforderung.

Als kurze, detaillierte Darstellung des japanischen Wohlfahrtsstaates in seinen Entwicklungsstufen ist dieser Text wundervoll. Die Eckdaten, etwa in Form von Gesetzgebungen, werden klar und gut verständlich dargestellt. Als Überblick und zum schnellen Verständnis beispielsweise im Rahmen eines Proseminares ist der Text also ein besonders guter Überblick über die Fakten.

Allerdings eignet sich der Text nicht mehr für fortgeschrittene Studierende, die sich bereits im Hauptstudium befinden. Fujimura beschränkt sich auf die Grundlagen und Darstellung der Fakten. Und leider kann die Literaturliste nur bedingt Ideen für die weitere Lektüre geben. Dafür müsste man sich vor allem der Literaturstellen bedienen, die Fujimura aus seiner eigenen Feder angibt.

JAS