German Cosmopolitanism in Japanese Imperialism

Kim, John Namjun (2009): „On the Brink of Universality. German Cosmopolitanism in Japanese Imperialism“. In: positions 17: 1. 73–95.

Kim arbeitet im seinem Artikel auf, wie der Philosoph Miki Kiyoshi Ende der 1930er Jahre die imperialistische Aggression Japans zu rechtfertigen versuchte. Die Positionen Mikis wiesen in diesem Rechtfertigungs-Projekt eine Nähe zur Kyôto-Schule auf, der einflussreichen Bewegung, die eine eigenständige japanische moderne Philosophie begründen wollte.

Miki grenzte zunächst die asiatische Philosophie, die sich auf Ethik gründe, gegen die westliche ab, die seiner Meinung nach epistemologisch geprägt sei. Ebenso verwarf Miki den westlich liberalen Begriff der Freiheit, der im Individuum gründet. Auf dieser Basis konzipierte Miki einen asiatischen Kooperatismus, der sich durch den japanischen Imperialismus verwirklichen und damit die asiatischen Länder befreien sollte. Diese Gesellschaftsform überkomme den Individualismus, ermögliche positive moralische Beziehungen zwischen den Menschen und gründe auf einem Multikulturalismus gründen. Letzteres war nur möglich, indem Miki die Essenz Japans darin sah, dass es gerade keine eigene Essenz habe. Japan habe eine Lernfähigkeit bewiesen, die es an die Spitze der Moderne geführt habe. Demgegenüber sei das westliche Projekt der Moderne mit dem Ersten Weltkrieg in eine Krise geraten. Auch China habe sich durch sein Beharren auf eine eigene essenzielle kulturelle Identität der Chance beraubt, vom Westen zu lernen und sei damit rückständig geblieben.

Der Artikel bietet einen interessanten Einblick in die Art und Weise, wie der japanische Imperialismus von zeitgenössischen Intellektuellen philosophisch untermauert wurde. Zudem lassen sich Parallelen zu den späteren Japandiskursen (nihonjinron), aber auch zu aktuellen Debatten um die Zivilgesellschaft ziehen, die zeigen, dass viele Argumente ihre Wurzeln schon vor 1945 haben. Allerdings macht es Kim seinen Lesern alles andere als leicht. Die soziale Einordnung Mikis fehlt völlig. Dass er sich nicht so leicht in klassische rechts-links-Schemen einordnen lässt und gerade deswegen eine spannende Figur ist, geht aus dem Artikel nur andeutungsweise hervor. Auch ansonsten gibt Kim nur im Vorwort einige Hinweise, dass Mikis Denken von größerer Bedeutung war und die Analyse daher lohnend ist. Damit ist der Text eigentlich erst für sehr fortgeschrittene Studierende geeignet, die genügend Vorwissen mitbringen oder sich aneignen und sich so selber das durchaus vorhandene Potenzial des Artikels  erschließen.

CT