An Alternative African American Image in Japan

Kiuchi, Yuya (2009): „An Alternative African American Image in Japan: Jero as the Cross-Generational Bridge between Japan and the United States“. In: The Journal of Popular Culture 42: 3. 515–529. 
Jero ist ein Afroamerikaner, der in Japan als Sänger japanischer Schlagerlieder (enka) auftritt. Damit widerspricht er den üblichen, seit Mitte des 19. Jahrhunderts konstruierten Stereotypen, mit denen Afroamerikaner in Japan belegt sind und zu denen u.a. das Image des Afroamerikaners als Vertreter der Hiphop-Kultur oder als U.S.-Soldat auf Okinawa gehört.

Kiuchi zeigt in seinem Aufsatz am Beispiel des Sängers Jero alternative Images von Afroamerikanern in Japan auf. Dazu stellt er die These auf, dass in Japan – im Gegensatz zu z.B. den USA – die Hautfarbe nur eine sehr geringe Rolle spiele und grundsätzlich enge Beziehungen zwischen Japanern und Afroamerikanern bestünden (vgl. 517-518). Den Erfolg Jeros in Japan sieht Kiuchi darin begründet, dass dieser es schafft, zum einen afroamerikanisches und japanisches Erbe miteinander zu verbinden (seine Großmutter ist Japanerin) und zum anderen durch das enka-Genre eine Brücke zwischen der älteren und der jüngeren Generation zu schlagen.

Jero, Geburtsjahr 1981, ist in den USA aufgewachsen und 2003 nach Japan gegangen, um dort als Englischlehrer und IT-Fachmann zu arbeiten. Seine Vorliebe für enka hat er von seiner Großmutter übernommen. 2008 erschien seine erste CD, deren großer Erfolg sicherlich auch in der Auswahl bekannter enka-Lieder und deren Mischung mit anderen Musikstilen begründet lag. Kiuchi wertet dies als Symbol der kulturellen Symbiose, die Jero mit seinem alternativem Image von Afroamerikanern verkörpert: Jero imitiere nicht japanische enka-Sänger, sondern konstruiere einen eigenen Stil, indem er sich selbst als enka-Sänger identifiziert (524).

Kiuchi verfolgt in diesem Aufsatz einen interessanten Ansatz, indem er versucht, die (positiv oder negativ besetzten) Stereotype in der Darstellungsweise von Afroamerikanern in Japan zu überschreiten und Alternativen aufzuzeigen. In einem verständlichen Stil geschrieben, bietet der Aufsatz, der in manchen Punkten etwas oberflächlich bleibt (z.B. in der Frage, was überhaupt unter „Japaneseness“ zu verstehen ist) spannende Anknüpfungspunkte, mit denen gut weitergearbeitet werden kann.

JS