Japanese Women‘s Perception of Intimate Partner Violence

Nagae, Miyoko; Dancy, Barbara L. (2009): „Japanese Women‘s Perception of Intimate Partner Violence (IPV)“. In: Journal of Interpersonal Violence, online veröffentlicht am 22. Mai 2009 als doi:10.1177/0886260509334413   

Nagae und Dancy haben mit dieser Studie ein in der japanbezogenen Forschung noch wenig beachtetes Problem thematisiert, nämlich die Gewalt gegen die Frau innerhalb einer Partnerschaft (im Folgenden als IPV abgekürzt). International ist diese Form der Gewalt durch die WHO offiziell definiert und spaltet sich in physische, psychische und sexuelle Gewalt.

In Japan geht man davon aus, dass 67–77% der Frauen mindestens einmal in ihrem Leben Opfer mindestens einer Form von IPV wurden. Dabei verhindern gerade die gesellschaftlichen Normen und Werte der patriarchischen Gesellschaft eine öffentliche Thematisierung. Zudem werden dadurch, wie die Autorinnen durch qualitative Interviews belegen, auch die bestehenden Interventionsmaßnahmen gehemmt. Insgesamt wurden elf Frauen aus dem urbanen Umfeld interviewt. Dabei waren alle drei Kategorien von IPV vertreten. Neun der Frauen hatten sich inzwischen von ihren Männern getrennt. Während die körperliche und sexuelle Gewalt zumeist im privaten (abgeschlossenen) Bereich stattfand, erweiterte sich der Täterkreis im Falle von emotionaler Gewalt um die Angehörigen des Ehemannes. Solange die IPV sich nur gegen die Frau richtete, empfand diese ihre eigene Not zumeist als weniger schwerwiegend als die Bedeutung eines präsenten Vaters für ihre Kinder. Die Frauen blieben in der häuslichen Kommunikation eher passiv und versuchten ihren Mann zu beschwichtigen. In dem Augenblick, in dem die Kinder jedoch in Gefahr gerieten, verließen sie den häuslichen Bereich. Die Hälfte der Männer war auch gegenüber den Kindern gewalttätig.

Von den Autorinnen als Folge des japanspezifischen kulturellen Settings gesehen, fühlten sich die Frauen zunächst weder von der Polizei noch vom gesamten rechtlichen System unterstützt. Die Frauenhäuser hingegen stellten für bis zu zwei Wochen eine sichere Bleibe dar. Das Personal dort unterstützte die Frauen auch bei der Vorbereitung eines eigenständigen Lebens mit ihren Kindern. Die Autorinnen schließen damit, dass mit ihrem Ansatz die Probleme im gesamten Präventions- und Interventionssystem aufgezeigt wurden und sich so der Handlungsbedarf für die Zukunft offenbarte. Dabei soll in Zukunft auch die bisher vernachlässigte Sicht der Männer untersucht werden.

In der japanischen Öffentlichkeit wird das von Nagae und Dancy dargestellte Problem inzwischen verstärkt thematisiert und diskutiert. Ihre Interviews stellen eine wichtige Basis für die Typisierung von IPV dar. Aber es handelt es sich nur um einen Anfang und so kann man nur mit Spannung erwarten, was die Autorinnen in der Zukunft veröffentlichen werden.

Während in Japan die statistischen Daten gut erfasst sind, ist die nur auf Japan bezogene Forschung noch in ihren Anfängen, und so eignet sich der Text nicht als alleiniger Einstieg in dieses vielschichtige Thema. In Verbindung mit der durch Nagae und Dancy auch angesprochenen Grundlagenliteratur ist der Text aber eine sehr interessante Ergänzung und Vertiefung.

JAS