Creating Middle Class Housewives in Modern Japan

Tipton, Elise K. (2009): „How to Manage a Household: Creating Middle Class Housewives in Modern Japan“. In: Japanese Studies 29: 1. 95–110.

Tipton stellt zunächst am Beispiel der Schule für Frauen von Misumi Suzuko die Erziehung von Mädchen und jungen Frauen am Anfang des 20. Jahrhunderts dar. Dabei wurde nicht nur auf ihre Bildung, sondern vor allem auf ihre Vorbereitung auf die Rolle der Mütter der kommenden Generationen Wert gelegt. So wurde zwar das moderne Haushaltsmanagement zu einer Wissenschaft erhoben, aber die tradierten Rollenvorstellungen keineswegs verworfen. Gleichzeitig kam dem Konsum eine zentrale Rolle zu: „It was the role of women’s educators […] to define and inculcate the techniques of modern household management and the appropriate values in their students” (96). Weiterhin strengt Tipton einen Vergleich mit der Mittelklassegesellschaft Deutschlands an und betont die Klassenidentität der neu entstehenden Mittelschichtgesellschaft der 1920er Jahre in Japan. Alle Lerninhalte  der Schule für Frauen wurden einer Effizienzprüfung unterzogen. Dabei wurde der Sicherung von finanziellen und zeitlichen Ressourcen eine wichtige Rolle beigemessen. Durch die Stereotypisierung der Lerninhalte wurde gleichzeitig die Stereotypisierung der Haushalte nach westlichem Vorbild hervorgerufen.
Aber nicht nur die Organisation des Haushaltes sondern auch des gesamten Familienlebens – also gerade auch des gemeinschaftlichen Lebens – lag in der Hand der Frau. Der Haushalt wurde zum Zentrum des sozialen Lebens innerhalb der Familie und war mehr als nur Repräsentationsort der Familie nach außen. Zentraler Schaffensbereich der Frau war in diesem Fall die nach westlichem Stil errichtete Küche: „In the reformed kitchen, all work benches are well off the floor, so the housewife and a housemaid stand up or sit on Western-style chairs” (S. 104). Gleichzeitig sollte die Frau der modernen Mittelschicht aber auch in kulturellen Belangen gebildet und aktiv sein.
Tipton liefert einen spannenden Einblick in die Rolle der japanischen Frau zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ohne sich auf die Grundsätze der guten Ehefrau und weisen Mutter (ryosai kenbo) zu beschränken. Die Darstellung der Lerninhalte, mit denen sich junge Frauen der 1910er und 1920er Jahre in Japan auseinander setzen mussten, ist besonders gut gelungen. Insgesamt ein lebendiger Artikel, der die Standardwerke der studentischen Ausbildung zu der Ausbildung der Geschlechterrollen im Japan der frühen 20. Jahrhunderts gut ergänzt.

JAS