The Powers and Dangers of Text and Image

Cather, Kirsten (2010): “A Thousand Words. The Powers and Dangers of Text and Image”. In: positions 18: 3. 695–725.

Der Film „Im Reich der Sinne“ (jap.: 愛のコリーダ) von Ôshima Nagisa löste bei seinem Erscheinen 1976 einen Skandal aus. Er beruht auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1936. Eine Frau hatte ihren Ehemann kastriert und ermordet und war dafür verurteilt worden. Ôshima selbst erklärte, dass er den ersten japanischen Film hatte drehen wollen, der westlichen Pornos in nichts nachstehen sollte. Dem entsprechend ist der Film sehr explizit, setzt sich durch seine weithin anerkannten künstlerischen Qualitäten jedoch deutlich von seinen westlichen Vorbildern ab.

Es war allerdings nicht der Film, sondern das Begleitbuch, über das in Japan in einem Prozess verhandelt wurde. Ôshima hatte bei der Produktion des Films darauf geachtet, keine japanischen Gesetze zu verletzen und deswegen auch die Postproduktion nach Frankreich ausgelagert, um so Einschränkungen zu umgehen. Daher musste das Buch gewissermaßen als Ersatz für ein Urteil darüber dienen, ob der Film obszön sei und zensiert werden müsse. Trotzdem wurde der Film am Ende in Japan nur stark gekürzt gezeigt.

Cather analysiert in ihrem Aufsatz die Argumentation des Anklägers in diesem Prozess ohne allerdings genauer darauf einzugehen, wer denn überhaupt die Anklage vertrat und welche Institution dahinter stand. Mit der Analyse will sie der Frage nachgehen, ob das allgemeine Diktum, Bilder seien mächtiger als Worte, in Japan gültig ist. Das Begleitbuch enthielt neben dem Filmskript Bilder von den Dreharbeiten, von denen einige wiederum sehr explizit waren. Der Ankläger vertrat die Meinung, dass sowohl diese Bilder als auch einzelne Textpassagen obszön seien. Dabei argumentierte er, dass die beanstandeten Bilder und Texte bei den Lesern des Buchs im Kopf praktisch zu einem inneren Film führen würden, weil sie im Kontext des Kinofilms betrachtet und gelesen würden. Gerade dadurch werde die Obszönität betont, weil die Leser einem (imaginierten) Geschlechtsakt zusehen würden. Auch wenn das Gericht dem Ankläger durchaus in einigen Punkten zustimmte, wurde die Klage jedoch abgewiesen.

Cathers Analyse des Prozesses stützt sich umfangreich auf die Gerichtsprotokolle und zitiert immer wieder aus ihnen. Dadurch bekommt man einen guten Eindruck, wie dieser Prozess ablief und welche Maßstäbe Zensur in der japanischen Nachkriegszeit zugrunde legte. Allerdings kann Cather ihre eigentliche Fragestellung zur Wirkmacht von Bildern und Worten nur sehr bedingt klären. Der Artikel bleibt dafür zu sehr in der Beschreibung der Position des Anklägers verhaftet. Trotzdem bieten sich interessante Einblicke in die japanische Filmgeschichte und Filmrezeption. Auch die Frage der Grenze zwischen Pornographie und Kunst in Japan wird durch die Lektüre verständlicher. Ein Problem erschwert jedoch die Lektüre des Artikels auf MUSE deutlich. Im Satz muss es Probleme gegeben haben. Die Worte sind im pdf teilweise so auseinandergerissen, dass man überaus konzentriert lesen muss.

CT