The (Dis)saving Behavior of the Aged in Japan

Horioka, Charles Y. (2010): „The (Dis)saving Behavior of the Aged in Japan“. In: Japan and the World Economy 22, S. 151–158.Es soll bewiesen werden, so umreißt es der Autor des Artikels, dass das life-cycle-Modell eine Erklärung geben kann für das zu beobachtende Sparverhalten pensionärer Haushalte in Japan (im Orig.: „retired aged households“). Nach diesem Modell folgt das Sparverhalten von Personen folgendem Schema: Wobei in den frühen Erwerbsjahren generell niedrige Sparraten zu beobachten sind, ist während des „mittleren Lebenszyklus“ ein Anwachsen dieser zu verzeichnen. Wichtig für das Verständnis des Artikels jedoch ist, dass, laut dem life-cycle-Modell, im dritten Zyklus – bspw. bedingt durch eine Pensionierung oder dergleichen – ein Absparverhalten (dissaving) einsetzt.

Während Horioka die Zusammenfassung älterer, vorwiegend aus den späten 1980er Jahren stammender, Veröffentlichungen erstellt, bemüht er sich, eine Argumentationsgrundlage für die Verwendbarkeit des life-cycle-Modells auszuarbeiten. Vorwiegend werden somit Texte mit Kritik bedacht, deren Ergebnisse nicht mit den Implikationen des life-cycle-Modells kompatibel sind. Jedoch findet er schließlich, bei Ishikawa (1988), einen einwandfreien Beleg für dissaving bei Haushalten, deren erwerbsfähige Personen pensioniert sind, und somit einen Beleg der Validität des life-cycle-Modells. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass Horioka zwar implizit auf die Konzeption des life-cycle-Modells eingeht – bspw. konstatiert er, dass eben dann dissaving zu erwarten ist, wenn sich der Beschäftigungsstatus von Haushalten durch Pensionierung ändert – allerdings das zugrundeliegende Theorem nicht explizit vorstellt. Da man nicht von einem generellen life-cycle-Modell sprechen kann, wäre es angebracht zu erläutern, auf welche Ausarbeitung er sich bezieht – etwa direkt auf die grundlegenden Überlegungen der life-cycle-hypothesis der Ökonomen Franco Modigliani und Richard Brumberg selbst?

Im Folgenden, einer Übersicht neuerer Veröffentlichungen, findet sich Horioka zunächst wiederum mit dem Problem konfrontiert, dass verfügbare Untersuchungen des Sparverhaltens älterer Haushalte, d.h. Haushalte deren erwerbsfähige Mitglieder sich im dritten Lebenszyklus befinden, für Horiokas Argument im Grunde als unbrauchbar zu bewerten sind. In die besprochenen Untersuchungen wurden nur solche Haushalte einbezogen, deren Personen sich weiterhin in einem Anstellungsverhältnis befanden, also durch Ihren Status als Erwerbstätige eigentlich keine Relevanz für eine Untersuchung des Sparverhaltens pensionärer Haushalte haben. Das Jahr 1995 bringt die Wende und verlässliche Daten zu tatsächlich pensionären Haushalten. Aus den somit verfügbar gewordenen Daten lässt sich, für Horioka, deutlich das Phänomen des dissaving ablesen. Die angeführten Statistiken belegen ein dissaving-Verhalten aller untersuchten Gruppen von pensionären Haushalten. En detail reichen die prozentualen dissaving-Raten der verschiedenen Gruppen im Jahr 2008 von 22,4 bis 31,3 %; darüber hinaus, so verdeutlicht es Horioka für seine Analyse, sind für den Untersuchungszeitraum von 1995  bis 2008 ausschließlich negative Sparraten festzustellen.

Der Befund der Analyse wird Horioka zum Anlass, Ursachenforschung zu betreiben. Woraufhin der Autor zunächst, nahezu simplifizierend, einen allgemein zu verzeichnenden Anstieg der finanziellen Verpflichtungen konstatiert. Jedoch werden im Anschluss die Gründe für den allgemeinen Anstieg dieser Belastungen aufschlussreich dargelegt. Demnach werden der Rückgang von Sozialversicherungsvergütungen, der Anstieg der Steuer- und Sozialabgaben und ein allgemein zu verzeichnender Anstieg der Ausgaben für Konsum und medizinische Versorgung als Ursachen genannt.

Abschließend unterstreicht der Autor die Übereinstimmung der feststellbaren Besitzdekumulation pensionärer japanischer Haushalte (akkumulierter finanzieller Besitz minus finanzieller Verpflichtungen) mit der im life-cycle-Modell erwarteten Entwicklung der Sparrate bzw. finanziellen Verhältnisse. Er macht ferner darauf aufmerksam, dass daher natürlicherweise ein Trend zur Dekumulation stets feststellbar war, ihr Umfang sich jedoch ausweitet und somit eine Verschärfung des dissaving eintritt. Jedoch fällt der statistisch überprüfbare Zeitraum (1995 – 2008) mit einer gravierenden und anhalten-den Phase der wirtschaftlichen Rezession zusammen, was in den letzten Zeilen des Artikels Erwähnung findet, aber das Fazit des Autors nicht beeinträchtigt: Das life-cycle-Modell erweist sich als idealer theoretischer Rahmen für die konstatierbaren sozio-ökonomischen Realitäten.

Da der theoretische Entwurf der life-cycle-hypothesis eine Schematisierung von Konsumverhalten darstellt, geht Horioka in seinem Aufsatz gewissermaßen auf eine Implikation dieser Theorie ein. Aufgrund dieser Spezifik leitet sich keine generelle Relevanz für Recherchen, bspw. zum Phänomen der alternden Bevölkerung in Japan, ab. Eine Rezeption des Artikels ist jedoch problemlos auch für Nicht-Ökonomen möglich und vielleicht auch interessant.

CW