How Yasukuni Shrine Survived the Occupation

Mullins, Mark R. (2010): “How Yasukuni Shrine Survived the Occupation: A Critical Examination of Popular Claims”. In: Monumenta Nipponica 65: 1. 89–136.

Japanische Revisionisten würden es gerne sehen, wenn der Yasukuni-Schrein wieder zu einer Staatsinstitution würde. In den diversen Rechtfertigungsschriften für den Schrein taucht seit Anfang der 1970er Jahre eine Geschichte aus der direkten Nachkriegszeit auf. General MacArthur hätte sich an Bruno Bitter, einen deutschen Jesuiten der Sophia-Universität, gewandt, um dessen Meinung zu seinem Plan einzuholen, den Yasukuni-Schrein zerstören zu lassen. Bitter hätte sich gegen dieses Vorhaben ausgesprochen und für die Religionsfreiheit und die Bedeutung des Schreins als Ort der Trauer um die Kriegstoten argumentiert. Dadurch sei der Yasukuni gerettet worden. Der Einsatz des Jesuiten dient den Revisionisten als ein Argument für ihre Ziele.

Mullins zeigt detailliert auf, dass die Hintergründe dieser Geschichte wesentlich komplexer waren. MacArthur holte zwar den Rat Bitters und eines weiteren amerikanischen katholischen Missionars ein. Doch hatte er keineswegs ursprünglich die Absicht, den Schrein zu zerstören. Vielmehr war er wie seine beiden katholischen Berater der Meinung, dass die Besatzung dadurch unnötig erschwert würde, weil sich viele Japaner gegen die Besatzungskräfte wenden würden.

Zudem untersuchte die Religious Division der Besatzungskräfte die Problematik des Staatsshintô und damit auch des Yasukuni überaus differenziert. Sie holte dazu den Ratschlag diverser japanischer Religionsforscher ein und besuchte auch den Yasukuni mehrmals, um sich selbst ein Bild zu machen. Bis zum Friedensvertrag von San Francisco 1951 blieb dabei offen, was mit dem Yasukuni letztendlich geschehen solle. Die Einstufung als religiöse Institution, nicht als Ort nationalistischer Staatskulte, ermöglichte das Fortbestehen des Schreins und seiner Unterschreine, der gokokujinja. Die Betonung der religiösen Aspekte war auch eine Folge der Aktivitäten der Priester des Schreines selber, die versuchten, die enge Bindung von Staat und Militär abzuschwächen und dem Schrein eine neue, volksnähere Ausrichtung zu geben. Der Schrein und seine Bedeutung wandelten sich so in den sechs Jahren der Besatzungszeit deutlich.

Damit arbeitet Mullins eine spannende Episode der Geschichte des Yasukuni sehr ausführlich auf. Er vermag es zu zeigen, dass die Geschicke des Yasukuni zwischen 1945 und 1951 von komplexen Interpretations- und Handlungsgeflechten bestimmt wurden. Durch seine Detailfülle ist der Artikel allerdings nicht immer einfach zu lesen und leider werden auch die interessanten Bestandteile der Geschichte nicht in einen theoretischen Rahmen eingeordnet. Immerhin wird allerdings die Erzählung von der Errettung des Schreins durch den deutschen Jesuiten Bittner in ihrer Bedeutung relativiert. Entgegen der Meinung revisionistischer Kreise in Japan war sie nie mehr als eine Fußnote in der umstrittenen Geschichte des Yasukuni-Schreins.

CT