The Japanese-Language Theatrical Version of the Korean Tale Ch’unhyangjôn

Suh, Serk-Bae (2010): „Treacherous Translation. The Japanese-Language Theatrical Version of the Korean Tale Ch’unhyangjôn“. In: positions 18: 1. 171–197.

1938 wurde das koreanische Bühnenstück Ch’unhyangjôn von einer Theaterkompagnie in Tôkyô auf die Bühne gebracht. Vorausgegangen war eine Übersetzung des Stücks vom Koreanischen ins Japanische durch einen koreanischen Schriftsteller. Durch das Stück wollte die japanische Theaterkompagnie die koreanische Kultur, die ihr Leiter als »Mutterleib« der japanischen Kultur ansah, den Japanern verständlicher machen, aber auch Koreanern in Japan ein Stück Heimat bringen.

Suh analysiert, wie diese Übersetzung vor dem kolonialen Hintergrund von verschiedenen Seiten interpretiert und kritisiert wurde. Als das Stück auf Japanisch in Seoul aufgeführt werden sollte, organisierten die Veranstalter eine Diskussion zwischen koreanischen und japanischen Kapazitäten. Die koreanische Seite kritisierte, das Stück sei durch die Übersetzung völlig entstellt worden. Der musikalische Sprachduktus, der das Ch’unhyangjôn ausmache, sei verloren gegangen. Das Stück sei einfach nicht in die Sprache der kolonialen Beherrscher übersetzbar. Die japanische Seite hielt dagegen, dass das Stück dafür nun ein viel größeres Publikum finden könne, was sich auch wirtschaftlich bezahlt machen werde.

Diese Diskussionen werden von Suh geschickt theoretisch aufgearbeitet. Suh arbeitet hierfür die Marx’schen Analysen zu Tausch und Wert auf. So kann er zeigen, dass es im kolonialen Kontext keinen Tausch unter Gleichen geben kann. Deshalb muss auch die Übersetzung, die solch einen fairen Tausch vorgaukelt, scheitern. Die Verluste für die, die durch die Übersetzung repräsentiert werden (die Koreaner), können durch die wirtschaftlichen Gewinne gar nicht aufgewogen werden. Während damit die japanische Seite kritisiert wird, zieht Suh die Ethik von Levinas heran, um zu zeigen, dass auch die koreanischen Intellektuellen einem Trugschluss unterliegen. Ihre Behauptung, durch die Übersetzung würde das Wesentliche der koreanischen Kultur verloren gehen, mündete in einen unreflektierten Kulturnationalismus.

Suhs Artikel verbindet einen spannenden Moment kultureller Übersetzung mit einer höchst anspruchsvollen theoretischen Analyse. Dadurch ist der Artikel nicht immer leicht zu lesen und sicherlich keine einführende Lektüre in die Übersetzungstheorie. Eher ist der Artikel für Masterstudierende und Doktoranden geeignet. Dann allerdings kann er sehr anregend sein, weil die Verbindung zwischen Fallbeispiel und Theorie sehr geglückt ist.

CT