Japanese Language Education for Bolivia’s Okinawan Diaspora

Suzuki, Taku (2010): “Learning To Be Transnational. Japanese Language Education for Bolivia’s Okinawan Diaspora”. In: Critical Asian Studies 42: 1. 63–88.

Suzuki stellt in seinem Artikel zwei verbreitete Annahmen über „heritage language education“ in Frage. Erstens bezieht er sich auf die Annahme, dass „heritage language“ die Nationalsprache des Heimatlandes einer Diaspora-Gruppe sei. Er stellt dieser Auffassung seine eigene Feldforschung der Okinawa-Diaspora in Bolivien gegenüber. An diesem Beispiel versucht er aufzuzeigen, dass die Identifikation mit einem „Heimatland“ und dessen Sprache im Falle Okinawas eine Transformation des Konzepts „Heimat“ durchlief: Nicht Okinawa und die Ryûkyû-Sprachen werden als „heritage“ bestimmt, sondern Japan bzw. Standard-Japanisch.

Auch in der heutigen Präfektur Okinawa ist Standard-Japanisch die von der Mehrheit gesprochene Sprache. Suzuki nennt jedoch zwei weitere, seiner Meinung nach bedeutendere Gründe für die  Förderung der japanischen Sprache in der bolivianischen Diaspora. Zum einen eröffnet Japanisch und die Selbstidentifikation als „Japaner“ der Diaspora Gemeinde in Bolivien die Möglichkeit auf materielle Vorteile durch die Unterstützung des japanischen Staates. Zum anderen sind die Einwanderer zu Großlandbesitzern geworden und werden von ihren bolivianischen Landarbeitern als „japanisch“ wahrgenommen. Suzuki beabsichtigt mit dieser Argumentation die zweite Annahme der „heritage language education“ in Zweifel zu ziehen. Laut „heritage language education“ sei die Sprache des Heimatlandes durch Assimilierung gefährdet und im Begriff, von der Nationalsprache des Ziellandes (hier Bolivien und Spanisch) verdrängt zu werden. Suzuki vertritt die These, dass Spracherziehung in der „Heimatsprache“ nicht unbedingt Ausdruck einer defensiven Strategie sein muss. Der Fall der Okinawa-Diaspora in Bolivien zeige vielmehr, dass japanische Spracherziehung die Funktion erfüllt, Differenzen zwischen der Diaspora-Gemeinde und den Bolivianern aufrechtzuerhalten und strategische transnationale Verbindungen zu Japan zu schaffen, um einen überlegenden sozioökonomischen Status zu demonstrieren.

Suzukis Artikel ist äußerst interessant und lesenswert. Suzuki Argumentation impliziert, dass die Identifikation als „Menschen aus Okinawa“ zu Gunsten der Identifikation als „Japaner“ abgelegt wurde. Tatsächlich zeigen seine Ausführungen jedoch, dass Identität ständig neu ausgehandelt wird. In diesem Prozess stellen „Okinawa“ und „Japan“ für die Mitglieder der Diaspora Gemeinschaft keine sich ausschließenden Gegensätze dar. Vielmehr sind die Grenzziehungen ihrer Identifikation durch ihr jeweiliges Gegenüber beeinflusst.

CS