Intimacy for Sale: Masculinity, Entrepreneurship, and Commodity Self in Japan’s Neoliberal Situation

Takeyama, Akiko (2010): „Intimacy for Sale: Masculinity, Entrepreneurship, and Commodity Self in Japan’s Neoliberal Situation“. In: Japanese Studies 30: 2. 231–246.

Verlangen und somit auch Intimität benötigten ein Objekt. Es ist Intimität („Intimacy for Sale”), als eben eine Bindung zu einem Objekt, die käuflich wird, zur Ware wird. Bei dieser Ware, so argumentiert Takeyama, handelt es sich nicht nur um ein Erzeugnis im Sinne einer Handelsware, mehr noch: um ein ‚Selbst-Erzeugnis’.

In einer Ethnographie wird den Subjekten nachgespürt, die Erzeuger und Vertreiber des eigenen Selbst sind. Die Autorin präsentiert, am Beispiel Japans männlicher Hosts, das (männliche japanische) unternehmerische Selbst als Phänomen des postindustriellen Konsumerismus und einer globalisiert neoliberalen Sozialerneuerung. Zugleich wird die Funktionsweise des Konsums offengelegt: Ein sich konstruierendes Subjekt objektiviert sich, wird konsumiert und generiert durch die Konstruktion einer Objektivität die eigene Subjektivität, ein Selbst.

Seit den ausgehenden 1980er Jahren vollzieht sich in Japan ein sozio-ökonomischer Wandel. Symptomatiken eines sich ausformenden Neoliberalismus werden auf gesellschaftlich/wirtschaftlicher Ebene augenscheinlich und hinreichend konstatiert: Privatisierung, Deregulierung und ein allgemeiner Unternehmensstrukturwandel; jedoch bindet die Autorin auch das Subjekt in diesen Strukturwandel ein und diagnostiziert eine fluide, konstruierbare Subjektivität. Dieses Konstrukt soll, als Erzeugnis, Objekt des Konsums werden. Das sich objektivierende Selbst konstruiert die zur Ware gewordene Körperlichkeit anhand des sich diskursiv formierenden Begriffs der Attraktivität – d.h. Gestalt und Ausformung der Ware, des Selbst, unterliegen auch in dieser Hinsicht einer Fluktuation. Takeyama kontrastiert das sich selbst produzierende unternehmerische Subjekt mit der Ikone des Salaryman, den sie als festgeschriebenen Subjekttypus vor dem Strukturwandel postuliert.

‚Doing business’ ist nun nicht mehr ausschließlich davon abhängig, wie man das Selbst präsentiert, sondern vielmehr wie man es konstruiert: „bodies become an investment tool for engineering and expanding the opportunities for […] success, fame, and financial gain” (235). Der Unternehmergeist dieses unternehmerischen Selbst basiert auf flexibler Kapitalakkumulation, die sich jedoch durch eine Selbstakkumulation vollzieht: ein Selbst, aber auch eine Ware wird akkumuliert. Das Kapital, sozusagen die Ressource des Erfolgs, wirkt in dem, was Takeyama als „affect economy” bezeichnet. Wonach die Ware im strengen Sinne nicht konsumiert werden kann, sondern der Affekt, als emotionale Bindung zum Objekt, der Ware. Als Ort des Konsums konstatiert die Autorin den Host Club, „[which] exemplifies this affect economy, in which the images and experiences of desirable selves and romantic excitement are transformed into commodity objects for exchange” (238).

Obwohl das Hauptaugenmerk Takeyamas Ethnographie dem Selbst zukommt, unterlässt sie es nicht auf die Grundlagen, den Kontext, und die Funktionsweisen der Kommodifizierung und des unternehmerischen Selbst hinzuweisen. Takeyama entwirft in ihrem Schreiben eine nachvollziehbare Argumentation, gibt Klarheit in Wortwahl und Struktur den Vorzug und, was noch viel wichtiger ist: tut dies auf überzeugende, faszinierende und fundierte Weise.

CW