The right to tell the (right) story: journalism, authority and memory

Zandberg, Eyal (2010): „The right to tell the (right) story: journalism, authority and memory“. In: Media, Culture and Society 32:1. 5–24. 

Seit über 50 Jahren begeht der Staat Israel einen „Holocaust Memorial Day“ am 27. Tag des Monats Nisan (März/April). In den großen Tageszeitungen erscheinen an diesem Tag Sonderausgaben, in denen verschiedene AutorInnen an den Holocaust erinnern.

Der israelische Medienwissenschaftler Eyal Zandberg begreift den Holocaust als konstituierende Komponente der israelischen Erinnerungskultur. Er untersucht die Frage, was für Personen auf welche Weise in den Sonderausgaben von sieben israelischen Tageszeitungen die öffentliche Erinnerung formen.

Sein Fokus auf die Schreibenden liefert interessante Ergebnisse: Besonders oft schreiben demzufolge diejenigen AutorInnen, die als Überlebende des Holocaust als „biographic authority“ (14) anerkannt werden. Andere Personen verfügen über einen staatlich-offiziellen, akademischen, oder kulturellen Hintergrund. Beiträge von JournalistInnen, deren Autorität sich aus Ausbildung und Erfahrung ergibt, sind dabei am seltensten vertreten. Sie schreiben nur dann als AutorInnen, wenn sie zusätzlich einen biographischen oder kulturellen Hintergrund einbringen können.

Zandberg verbindet seine Untersuchung mit Theorien zur Traumabewältigung, um seine Schlussfolgerungen zu den Folgen einer schwachen journalistischen Autorität zu verdeutlichen. Kritisch wirft er dabei dem Großteil der Tageszeitungen bis auf die private Zeitung „Ha’aretz“, dass sie durch ihre Auswahl der AutorInnen eine stagnierende Erarbeitung (acting out) des Holocaust anstatt einer sich weiterentwickelnden Verarbeitung (working through) erzeugen.

Der akteurszentrierte Ansatz wirft einen spannenden und teilweise provokanten Blick auf die Rolle der Medien in der israelischen Erinnerungskultur. Da Zandberg nur eine relativ kurze theoretische Einführung bietet, eignet sich der Text nicht zur Einführung. Aber auf weiterführender Ebene kann die Untersuchung, welche Gruppen oder Einzelpersonen auf welche Art den Erinnerungsdiskurs mitgestalten, für die eigene Forschung weitere Ansätze liefern. Zandberg konzentriert sich teilweise sehr stark auf die biographische Autorität der VerfasserInnen, die inhaltliche Thematisierung bleibt daher oft oberflächlich. Eine Übertragung auf den Bereich Erinnerungskultur(en), beispielsweise in Japan, ist aber grundsätzlich gut möglich und dürfte zu spannenden Ergebnissen führen.

PB