Reconfiguring Gender and Familial Relationships in Japanese Popular Fiction

Dollase, Hiromi Tsuchiya (2011): “Choosing Your Family: Reconfiguring Gender and Familial Relationships in Japanese Popular Fiction”. In: The Journal of Popular Culture 44: 4. 755–772. 

In den letzten zwanzig Jahren ist eine neue Generation junger Schriftstellerinnen herangewachsen, die aus der Perspektive der Töchter über Themen schreiben, die auch schon die Generation davor bewegt hat: Dazu zählen vor allem die Bereiche Familie und Gender.

Hiromi Tsuchiya Dollase setzt sich in ihrem Aufsatz mit dieser Literatur auseinander, die sie in Anlehnung an Saitô Minakos Publikation „L-Bungaku Kanzen Dokuhon“ (2002) als L-bungaku bezeichnet („L“ für lady, love und libu, als Abkürzung des women’s liberation movement), und untersucht, auf welche Weise junge Schriftstellerinnen Gender und Familie in ihren Werken neu gestalten. „The new female literature is there for women who search for their own identities different from girls, wives, and mothers“ (757), charakterisiert Dollase diese Literatur. Als Beispiele dienen Yamamoto Fumios „Gunjô no Yoru no Hanemôfu“, Matsumoto Yûkos „Kyoshokushô no akenai Yoake“, der shôjo-Manga „Shichigatsu nanoka ni“ von Ôshima Yumiko, Yoshimoto Bananas „Kitchen“ sowie „Kira Kira Hikaru“ von Ekuni Kaori.

Anhand dieser Beispiele zeigt Dollase auf, wie in den Werken das Mutter-Tochter-Verhältnis dargestellt und auf welche Weise mit herkömmlichen Genderrollen gespielt wird. So findet z.B. bei Yamamoto eine symbolische Befreiung der Tochter von ihrer monströsen Mutter statt, während die Mutter bei Ôshima mystifiziert und letztendlich zu einer männlichen Figur transformiert wird. Am Beispiel von Yoshimotos „Kitchen“ wird deutlich, dass das Ideal einer Mutter und einer Familie durch Gendersubversion erreicht wird; „natürliche“ biologische Bindungen sind dabei untergeordnet.

Dollase gelingt es in ihrem Aufsatz darzulegen, wie Einflüsse westlicher Mädchenliteratur, aber insbesondere Einflüsse des shôjo-Manga dazu beitragen, dass junge Autorinnen Geschlechtergrenzen und gesellschaftliche Konventionen spielerisch überschreiten. Eine direkte Thematisierung und Politisierung der Geschlechterrollen sowie die eigentlich feministischen Wurzeln dieses Diskurses werden durch Mädchenfantasien verdeckt. Ein lohnenswerter Aufsatz für alle, die sich mit gegenwärtiger japanischer Literatur sowie mit shôjo-Kultur auseinandersetzen.

JS