The Puzzle of Ineffective Election Campaigning in Japan

Klein, Axel (2011): „The Puzzle of Ineffective Election Campaigning in Japan“. In: Japanese Journal of Political Science 12: I. 57–74. 

Das japanische Wahlsystem stand schon oftmals im Mittelpunkt der wissenschaftlichen wie öffentlichen Diskussion um Defizite des gesamten politischen Systems des Landes – auch weil in ihm Ursachen für die langjährige Dominanz der LDP und für politische Korruption gesucht wurden. Verschiedene Reformen seit den 1990er Jahren sorgten jedoch für neue Möglichkeiten bei der Durchführung von Wahlkampagnen für beide Parlamentshäuser. So konnten zum Beispiel die Parteien gegenüber den Kandidaten an Bedeutung gewinnen. In der Folge entstanden vermehrt Parteiprogramme (manifesuto) und neue Wahlkampfinstrumente wie TV-Wahlwerbespots wurden verstärkt genutzt. Demgegenüber zeigt Axel Klein in diesem Aufsatz, dass viele Kampagnen bzw. die von japanischen Politikern und ihren Teams gewählten Wahlkampfinstrumente trotz dieser Veränderungen ineffizient sind. Zudem erklärt Klein, dass teilweise ganz andere Ziele als die Kommunikation der eigenen programmatischen Inhalte oder die direkte Beeinflussung des Wahlverhaltens potentieller Wähler verfolgt werden.

Klein verwendete für seine Studie qualitative Methoden empirischer Sozialforschung, in dem er an Kampagnen mehrerer Politiker aus unterschiedlichen Parteien (LDP, DP, Kômeito, SDP sowie kleinere Parteien) in den Jahren 2007 (Unterhauswahl) und 2009 (Oberhauswahl) beobachtend teilnahm. Zusätzlich führte er noch Interviews mit Politikern und Wahlkampfhelfern durch, die wegen der schwierigen situativen Rahmenbedingungen aber nur semi-strukturiert waren. Die Sampleauswahl schränkt die Ergebnisse der Studie dahingehend ein, dass sie nur für urbane Bezirke gilt, während man Wahlkampfkampagnen auf dem Land gesondert untersuchen müsste.

Theoretischer Hintergrund der Arbeit ist die Structural Learning Theory, wie sie von Steven R. Reed (1993) vertreten wurde. Dabei wird davon ausgegangen, dass Akteure, die generell Erfolg suchen und Niederlagen vermeiden möchten, in stabilen Strukturen aus ihren individuellen Erfahrungen lernen und in Entscheidungssituationen die am meisten Erfolg versprechende Option wählen. Dennoch beobachtet Klein, wie ineffizient fast alle Kampagnen seines Samples durchgeführt werden, da die gewählten Instrumente die Adressaten – hier: Passanten in der Öffentlichkeit – nicht erreichen oder zu einem längeren Anhalten bewegen können. Gründe hierfür sind, dass Kandidaten trotz ungünstigen Wetterverhältnissen Wahlkampfreden unter freiem Himmel halten, dass viel zu lange Reden vor Bahnhöfen während der „rush hour“ gehalten werden, oder dass lokale Vertreter eines Kandidaten den Namen ihres Kandidaten in Reden kaum nennen.

In den Interviews antwortete der Großteil der Befragten auf die Frage nach dem Grund für die Wahl der genutzten Wahlkampfinstrumente, dass diese – sozusagen als Standardinstrumente – aus früheren Kampagnen übernommen wurden. Da es sich aus Meinung des Autors jedoch um eindeutig ineffiziente Taktiken handelte, kann man sich dieses Verhalten aus Sicht der Structural Learning Theory durch ein fehlendes „feed-back“ erklären, was vor allem für die Wahlgewinner gilt. Andere, im Verlauf einiger Interviews hervorkommende Ursachen für das (oberflächlich) fehlende Lernen aus den eigenen Erfahrungen zeigten weiterhin, dass einige Wahlkampfteams neben der Ansprache an potentielle Wähler noch andere Ziele verfolgten: Diese sind die Erklärung der eigenen politischen Überzeugungen, die Unterhaltung guter Beziehungen zu lokalen Politikern und Helfern, und die Aufrechterhaltung der gruppeninternen Stimmung und Motivation („commitment and will to fight“).

Kleins Studie verknüpft Theorie und Praxis in sehr anschaulicher Art und Weise, wobei besonders die Beispiele für ineffizienten Wahlkampf einen großen Unterhaltungswert besitzen. Daneben wird – verstärkt durch die klare Struktur des Textes – deutlich, womit die Wahl der vermeintlich ineffizienten Wahlkampftaktiken zusammenhängen könnte und wie dies in Verbindung zur Structural Learning Theorygebracht werden kann. Darüber hinaus bietet die gelungene Nutzung qualitativer sozialwissenschaftlicher Methoden einen Ansatz für eigene Studien (auch in anderen Bereichen), was sich vor allem auch auf die Verknüpfung von teilnehmender Beobachtung und Interviews bezieht.

ND