The Heisei Economy: Puzzles, Problems, Prospects

Lincoln, Edward J. (2011): „The Heisei Economy: Puzzles, Problems, Prospects“. In: Journal of Japanese Studies 37: 2. 351–375. 

8. Januar 1989: In Japan bricht die Heisei-Ära an, und in Anbetracht der wirtschaftlichen Begebenheiten ist der Ausblick strahlend. Seit 1985 sind sowohl die Immobilienpreise als auch die Aktienkurse förmlich explodiert. Das Wirtschafts-wachstum liegt bei jährlichen 5 Prozent. Zu dieser Zeit geht man in Japan davon aus, die USA bald auf das Abstellgleis für ausrangierte Industrienationen delegieren zu können. Verblüffenderweise jedoch, befasst sich der Aufsatz „The Heisei Economy: Puzzles, Problems, Prospects“ von Edward J. Lincoln vornehmlich mit der Frage „What went wrong?“ Denn wie wir erfahren werden, folgten auf den strahlenden Anbruch der Heisei-Ära bescheidenere wirtschaftliche Realitäten.

„So what happened? For the next two decades (1990–2009), the average annual real (inflation-adjusted) growth rate of gross domestic product (GDP) was only 1.1 per cent compared to 2.5 per cent growth in U.S. real GDP over the same period“ (352). Demnach entsprach Japan in den Jahren 1990–2009 also schlicht nicht den Erwartungen. Wodurch sich die Frage stellt, ob es überhaupt gerechtfertigt war, mit einem anhaltenden Wirtschaftswachstum von 5 Prozent oder gar mehr zu rechnen. Der Autor geht hier den notwendigen Schritt in der Zeit zurück und beschreibt die Entwicklung Japans in der Nachkriegszeit: Hochwachstumsphase (bis 1973), moderate Stagnation (bis ca. 1985), Spekulationsblase.

Was passiert, wenn die Blase platzt, Immobilienpreise und Aktienwerte einbrechen? Lincoln beschreibt an dieser Stelle die Auswirkungen der Jahre 1989 und 1991 auf die verschiedenen Akteure im Finanzsystem. Während seiner Analyse der Rezessionsjahre – der verlorenen Dekade (1992–2002) – entschlüpft ihm sein ideologischer Standpunkt: eine Forderung nach mehr politischer Intervention, bei einer Übergewichtung der Rolle der Zentralbank. Die in Realität erfolgten Stimuli versieht er dabei mit dem Prädikat „too little, too late“. Seine makroökonomische Betrachtung schließt abrupt mit dem fatalistischen Fazit, eine zurückhaltende Erholung (ab 2002) hätte nur stattgefunden, um letztendlich den finalen Stoß, in Form der globalen Rezession der Jahre 2008 und 2009, zu erhalten.

Darauf folgt ein Abschnitt zu „strukturellen Problemen“, welcher durch eine klar umrissene These eröffnet wird: Die noch in den 1980er Jahren gefeierten Eigenheiten des japanischen Wirtschaftssystems hätten die Bühne für die „verlorene Dekade“ bereitet. Anhand von drei Unterkategorien – Konsum- und Sparverhalten von Haushalten, Unternehmensstrukturen und der Struktur des Finanzsystems – werden dem Leser die strukturellen Mängel des Wirtschaftssystems dargelegt. Lincoln kritisiert dabei, dass es zu wenig strukturelle Veränderung gegeben habe und sowohl bei Haushalten als auch bei Unternehmen keine Umstellung ökonomischer Verhaltensmuster erfolgt sei. Dieser Mangel an Veränderung wird vom Autor als „das Problem“ der japanischen Wirtschaft identifiziert und er schließt mit einem persönlichen Plädoyer für mehr strukturelle Reform.

Präsentierte Daten und Sachverhalte werden stets mit den zugrunde liegenden Prozessen verknüpft und somit allgemein verständlich besprochen, was den Aufsatz besonders auszeichnet. Ganz „un-ökonomisch“ kommt der Autor dabei ohne jegliche mathematische Formeln aus. Ferner ist die eigentliche Argumentation gespickt mit Definitionen ökonomischer Prozesse und Schemata, was dem fachfremden Leser nur zu Gute kommt. Allerdings verliert sich der argumentative Faden oftmals zwischen mehreren sich aneinanderreihenden definitorischen Exkursen; sodass das eigentliche „What went wrong?“ eher die Gestalt eines „Economics, what is it all about?“ annimmt.

Obwohl sich auf den 24 Seiten des Aufsatzes tatsächlich Platz geboten hätte, um auf die, wie es der Titel verspricht, Wirtschaftslage der Heisei-Ära in angemessener Detailfülle einzugehen, hat man das Gefühl, es kam nicht dazu. Der letzte Abschnitt „Broader Implications“ verdeutlich schmerzlich ein Problem des Textes: Die innenpolitische Situation, darunter Familien- und Sozialpolitik, Immigration und Arbeitsmarkt, Außenpolitik uvm. werden in die Betrachtung miteinbezogen, als hätte es nichts gegeben, das nicht noch erwähnenswert gewesen wäre. Spätestens bei dieser letzten thematischen Ausschweifung tritt dem Leser der Titel einer zitierten Quelle vor Augen: „Choose and Focus“, den man, mit einem Ausrufezeichen versehen, dem Autor entgegenhalten möchte.

CW