Remembering, glorifying, and forgetting Japanese Olympian war dead

Skabelund, Aaron (2011): „“By running…/by fighting…/by dying…“: remembering, glorifying, and forgetting Japanese Olympian war dead“. In: Sport in Society 14: 4. 504–517. 

Suzuki Bunta[1] (鈴木聞多), der die 100 Meter in der Vorrunde bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin in 10,7s lief, soll diese Distanz – wenn man denn den Angaben seines Vorgesetzten glauben möchte – auch im Einsatz für die Kaiserliche Japanische Armee in Nordchina in „10 seconds flat“(509) zurückgelegt haben.

Schon im Juli 1939 kam Suzuki, der ein Schwert als Waffe im Kampf benutzt haben soll, jedoch bei dem Eroberungsversuch eines strategisch wichtigen Berges ums Leben. Somit wurde er einer der ersten von insgesamt 35 japanischen Olympioniken, die im Kriegsdienst für ihr Vaterland sterben sollten. Auch darum wurde sein Ableben wohl besonders von den Medien der Zeit gewürdigt, wobei seine Vorbildfunktion und Besonderheit als Olympionike in der Armee betont wurde. Diese Verbindung zwischen sportlichen Leistungen auf der einen und Militärdienst auf der anderen Seite wird in den folgenden Kriegsjahren über verschiedene Formen der Erinnerungskonstruktion (z.B. Ölgemälde, Skulptur, Medaille, Gedenkband) fortgeführt. Die Instrumentalisierung des einstigen Keiô-Absolventen fand nach dem Krieg ein rapides Ende, so dass sich die Erinnerung auf den sportlichen Teil seiner Biographie beschränkte, während Suzukis Militärdienst und sein Tod eher vergessen werden sollten. Einzig der Yasukuni-Schrein bzw. das Kriegsmuseum „Yûshûkan“ auf dem Gelände desselben bemühten sich in verschiedenen Ausstellungen um eine Wiederherstellung der Verknüpfung von Sport, Militär und Nation durch eine dementsprechende Inszenierung des Lebens (und Tods) verschiedener Athleten – u.a. Suzuki – , die im zweiten Weltkrieg starben.

Das Leben Suzukis sowie die Formen der Erinnerung und des Vergessens desselben sind nur eines von mehreren Beispielen, über die der Autor Aaron Skabelund verdeutlicht, wie Erinnerungsorte konstruiert und rekonstruiert werden. So zeigt er auf eine packende und anschauliche Art und Weise, dass kollektives Erinnern immer selektiv und damit auch veränderbar ist. Zudem verdeutlicht er, dass für die Interpretation derartiger Veränderungen die jeweiligen innen- und weltpolitischen Rahmenbedingungen von enormer Bedeutung sind. Als Verkörperung des in der Nachkriegsverfassung angelegten Ideals der pazifistischen Nation eignet sich Suzukis Lebensgeschichte eben nur bedingt, was den Wandel von Erinnerung zu Vergessen erklären kann. Andere Athleten – wie z.B. der 1941 während der Invasion der Philippinen erschossene Stabhochspringer Ôe Sueo – können durch ihren offensichtlicheren Facettenreichtum (z.B. Freundschaft mit amerikanischen Athleten vor seinem Armeebeitritt) in verschiedenen geschichtlichen Epochen auf völlig unterschiedliche Art erinnert werden. Hierbei werden bestimmte, unpassende Teile der Biographien entweder reinterpretiert oder verschwiegen. Um dies aufzuzeigen, beschreibt Skabelund die relevanten, teilweise schon von der medialen Berichterstattung dokumentierten Lebensabschnitte der ausgewählten Olympioniken und zeigt, welche Details über welche Medien wie erinnert und so zu nationalen Erinnerungsorten gemacht wurden.

Auf diese Weise veranschaulicht der Autor seine am Anfang des Textes aufgestellten Grundthesen über die Darstellung von Leben und Erinnerung seiner Beispielathleten sehr anschaulich, versäumt aber, dies am Ende des Aufsatzes selbst noch einmal festzustellen. Somit fehlt dem eigentlich vorhandenen roten Faden die verdiente Abrundung. Denn die Sonderbehandlung oder -nutzung von ehemaligen Olympioniken im Militär und die mediale Verwendung ihrer Einschreibung bestätigen die von ihm dargestellten Beispiele schließlich genauso wie die Gleichstellung von sportlichem Wettbewerb und militärischen Konflikten zu Kriegszeiten. Insgesamt handelt es sich um einen anschaulich geschriebenen Aufsatz, der das Thema Erinnerungsorte unterhaltsam angeht und auch in seinen Ergebnissen differenziert und ausgewogen zu argumentieren weiß.

ND  

[1] Die Schriftzeichen des Vornamens werden teilweise auch Monta statt Bunta gelesen (wie z.B. in der Datenbank von Sports-Reference.com:  www.sports-reference.com/olympics/athletes/su/monta-suzuki-1.html)