The Reporting of Self-Esteem in Japan and Canada

Tafarodi, Romin et. al. (2011): “The Reporting of Self-Esteem in Japan and Canada”. In: Journal of Cross-Cultural Psychology 42: 1. 155–164. 

Die japanische und kanadische Autorengruppe greift direkt im eigenen Abstract die Meinung auf, Japaner hätten ein anderes – wertend sogar niedrigeres – Selbstwertgefühl als Menschen westlicher Herkunft. Sie versuchen dies durch eine internationale Studie aus dem Jahr 2005, die Menschen aus 53 Ländern nach Ihrem Selbstwertgefühl bewertet, zu belegen. Japaner belegten auf der Rosenbergskala in dieser Studie den letzten Platz. Bereits im ersten Absatz wird von den Autoren der Konflikt aller Wissenschaftler kurz dargestellt, von der extremen Meinung darüber, Japaner hätten gar kein Selbstwertgefühl, bis hin zur sicherlich moderaten Meinung, Japaner hätten zwar durchaus Selbstwertgefühl – nur zeigten sie dieses nicht so wie Menschen aus dem westlichen Kulturkreis.

Im weiteren Verlauf wird der sprachliche Ausdruck von Selbstwertgefühl dargestellt und gleichzeitig festgestellt, dass der Spracheinsatz der japanischen Sprache bedeutend subtiler – teilweise indirekt und verschleiernd sei. Dies wird als Basis für eine adaptierte Umfrage bei Studierenden in Japan und westeuropäischen Studierenden in Kanada genommen. Zudem wurde bei der kanadischen Untersuchung den Westeuropäern ein englischer Fragebogen zur Verfügung gestellt – es bleibt aber offen, ob es sich bei Studierenden um Muttersprachler handelt. Auf einer Skala mussten die Probanden ihr Selbstwertgefühl angeben. Sollte es sich bei den Westeuropäern in Kanada aber nicht um Muttersprachler gehandelt haben, hätte ihr Sprachgefühl ihnen möglicherweise etwas vollkommen anderes vermittelt als den japanischen Befragten, die ihren Fragebogen in ihrer Muttersprache beantworten konnten.

Das Ergebnis der Studie ist in großen Teilen vorhersehbar. Das Selbstwertgefühl der befragten Japaner war zwar ähnlich stark ausgeprägt wie das der westlichen Probanden. Jedoch die Art des Selbstwertgefühls unterscheidet sich. Die Feststellung der Autoren, dass Selbstwertgefühl kein eindeutiger Begriff sei, erscheint schon fast übertrieben erklärend. Der Hinweis auf mögliche moralische Vorbehalte auf japanischer Seite, das Selbstwertgefühl auszudrücken, ist dagegen schon viel notwendiger – wird aber nicht näher erläutert. Die problematische sprachliche Komponente in der Durchführung der Studie wird zum Schluss leider nur sehr kurz angerissen.

Der Hinweis auf bereits bestehende Literatur ist zwar sehr umfassend, aber der Beitrag selbst ist leider nur sehr grob. Auch scheint die Gruppe wegen der oben genannten Gründe wenig vergleichbar und nicht groß genug. Es bleibt also abzuwarten, ob diese Forschungsgruppe noch weitergehende Untersuchungen zu diesem Thema anbringen wird.

Der Beitrag eignet sich nur in Auszügen für den Unterricht, da er kaum über statistische Berechnungen hinausweist und diese relativ unreflektiert in den Raum stellt. Deshalb sollte der Artikel kritisch gelesen werden.

JAS