Facing Nuclear Risks: Lessons from the Fukushima Nuclear Disaster

Hasegawa, Koichi (2012): “Facing Nuclear Risks: Lessons from the Fukushima Nuclear Disaster”. In: International Journal of Japanese Sociology 21. 84–91. 

Der Artikel „Facing Nuclear Risks: Lessons from the Fukushima Nuclear Disaster“ versucht nach Angaben des Autors, die soziologischen Erkenntnisse der Nuklearkatastrophe von Fukushima darzulegen. Inhaltlich gliedert sich der Artikel dabei in drei eigenständige Kapitel.

Im ersten Kapitel zeichnet der Autor zunächst den Ablauf und das Ausmaß der Nuklear-Katastrophe von Fukushima in angemessener Detailfülle nach. Daraufhin vergleicht Hasegawa das Unglück von Fukushima mit Three Mile Island und Chernobyl. Fukushima stellt dabei seiner Auffassung nach das bislang schwerwiegendste Atomunglück in der Geschichte dar. Hasegawa beschreibt daraufhin, wie ihn die Ruinen der Küstenregionen an die Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki erinnerten. Er äußert, er sei sich sicher, dass dieses Ausmaß an Zerstörung die Chance auf einen Neuanfang biete.

Das zweite Kapitel widmet sich den Ursachen der Katastrophe. Hasegawa schildert hier die Fehler der Regierungsorganisationen im Hinblick auf das Katastrophen-Management und die unzureichenden Sicherheitsrichtlinien der Energiekonzerne. An dieser Stelle bemüht sich der Autor, die Auswirkungen Fukushimas auf die Bevölkerung zu verdeutlichen, jedoch finden sich hier mehrfach Passagen, die ein ungewohntes Maß an Emotionalität an den Tag legen: „Innocent smiles have disappeared. Mothers are worrying about their children’s safety“ [86]; „Farmers in this area are prohibited to grow crops and fishermen are prohibited to fish. They can only despair and resent the fumbling of the electric company and the national government“ [87]. Nach Ansicht des Autors unterlagen die Mitglieder des Atomic Circle schlicht einem „Group Think“ als „puppet of the electric company and METI“ [88]. Der Atom-Industrie Japans sei es möglich gewesen, sich von der Außenwelt zu isolieren und Jahrzehnte lang ohne ausreichende Sicherheitsrichtlinien zu operieren.

Im dritten Kapitel stellt Hasegawa fest, dass die einzige Lehre, die man somit aus Fukushima ziehen könne, eine Hinwendung zu einem „post nuclear East Asia“ sei [88]. Der Artikel schließt daraufhin mit einer Reihe programmatischer Forderungen, wie z.B. der unmittelbaren Schließung aller Atom-Reaktoren und dem Ausbau erneuerbarer Energien. Man möchte als Leser an dieser Stelle vorbehaltlos zustimmen, jedoch erscheinen diese Forderungen ohne eine direkte Kontextualisierung zu den vorherigen Kapiteln. Wenn es tatsächlich die Absicht Hasegawas war, die „soziologischen Erkenntnisse“ der Katastrophe herauszuarbeiten, so scheitert dieser Versuch leider aufgrund der unzusammenhängenden und oftmals unverständlichen Argumentation des Autors. Zudem stellt man als Leser zu Beginn der Lektüre überrascht fest, dass der Abstract des Artikels scheinbar die Funktion der Einleitung übernimmt. Die eigentliche Einleitung entfällt ebenso wie eine Schlussbemerkung. Unkonventioneller Weise setzt sich der Artikel ausschließlich aus drei eigenständigen Kapiteln zusammen. Obwohl der Artikel in einem gut verständlichen Englisch geschrieben wurde und einige gut recherchierte Details der Katastrophe vermittelt, bleibt die eigentliche Argumentation lückenhaft.

CW