Lessons From the Ghost of Salaryman Past

LeBlanc, Robin M. (2012): “Lessons From the Ghost of Salaryman Past: The Global Costs of the Breadwinner Imaginery”. In: The Journal of Asian Studies 74: 4. 857–873.  

Robin LeBlanc, Professorin für Politologie an der Washington and Lee Universität, hat einen intelligenten Essay über die Rolle der Salaryman in der Diskussion um Atomkraft nach der dreifachen Katastrophe vom März 2011 geschrieben. Sie will zeigen, dass die Annahme, Salaryman seien als Ernährer ihrer Familien unverzichtbar für die japanische Gesellschaft, die Debatte um eine neue Energiepolitik verengt.

Zwei Argumente stehen sich in dieser Debatte gegenüber. Auf der einen Seite lehnen viele Atomkraft nach Fukushima als zu unsicher ab. Auf der anderen Seite gilt eine günstige und ausreichende Stromversorgung für das ressourcenarme Japan als schwierig. Ohne Kernenergie sei es nicht leicht, die Wirtschaft wieder anzukurbeln, die schon vor der dreifachen Katastrophe in der Krise war. In letzter Konsequenz würden Salaryman arbeitslos und würden ihrer Rolle als »breadwinner« für ihre Familien nicht mehr gerecht.

LeBlanc zeigt auf, wie tief die Idee vom männlichen Familienernährer, dem Salaryman, in Japan verwurzelt ist. Diese Rolle wurde in der Meijizeit als Reaktion auf westliche Männlichkeitsideale entworfen. Die Salaryman galten dann in der Nachkriegszeit als Garant für den wirtschaftlichen Wiederaufstieg des Landes. Sie hätten sich für ihr Land geopfert, indem sie ohne zu Klagen hart gearbeitet und auch zahllose Überstunden in Kauf genommen hätten. Obwohl diese Idee vom Salaryman als „Firmensoldat“ im Dienst des Vaterlandes in den letzten beiden Jahrzehnten der Wirtschaftskrise ins Wanken geraten ist, beeinflusst sie doch immer noch grundlegend Debatten wie die um die Energieversorgung nach 3/11. Ein Hinweis darauf ist die sogenannte „Super CoolBiz“-Kampagne. Die Regierung intensivierte diese 2005 als „Cool Biz“ aus der Taufe gehobene Kampagne nach 3/11 weiter, um Energie zu sparen. Salaryman sollen im Sommer keine Krawatten und Anzüge mehr tragen, um ihren Arbeitgebern zu ermöglichen, die Klimaanlage auf höhere Temperaturen zu stellen. Diese Kampagne beschäftigte die Medien und die Öffentlichkeit intensiv. Kann es z.B. angehen, dass man Kunden im Hawaiihemd empfängt, oder ist das respektlos? Diese in den Augen LeBlancs scheinbar lächerliche und im Hinblick auf eine Energiewende marginale Kampagne erklärt sich nur vor dem Hintergrund der symbolischen Bedeutung des Salaryman. Er muss sich erneut für die Nation opfern, und sei es nur, indem er die Krawatte ablegt und den Anzug auszieht – beides eigentlich Kennzeichen seiner Modernität und des Fortschritts.

Insgesamt zeigt LeBlanc höchst interessante Zusammenhänge auf. Das Denken in nationalstaatlichen Kategorien, die mit Gender-Einteilungen verknüpft sind, verkürzt die Diskussion um eine Energiewende, ohne dass dies den Beteiligten immer klar ist. Es wäre wünschenswert, wenn LeBlancs Text viel Nachhall fände, so dass dieses verengte Denken aufgebrochen würde und damit der Blick frei für weitere Konsequenzen und Argumente rund um die Atomenergie in Japan. Für Studierende ist der Text sicherlich sehr gut zugänglich, weil er durch seine essayistische Form wenig Vorwissen voraussetzt, leicht zu lesen ist und viele Anknüpfungspunkte bietet. Selbst wenn die Argumentationskette von LeBlanc manchmal springt, lohnt es sich also, ihr zu folgen.

CT