Reflexivity: unmarried Japanese male interviewing married Japanese women about international marriage

Takeda, Atsushi (2013): „Reflexivity: unmarried Japanese male interviewing married Japanese women about international marriage“. In: Qualitative Research 13: 3. 285–298.

Welche Rolle spielt der Forscher im Feld? Im Kontext einer qualitativen Studie zu Migrationserfahrungen japanischer Frauen, die mit einem australischen Mann verheiratet sind und in Australien leben, setzt sich Takeda in seinen methodischen Überlegungen kritisch mit seiner eigenen Rolle im Feld auseinander und evaluiert diese im Hinblick auf Forschungsprozess und -ergebnisse: Takeda selbst ist männlich, japanisch und ledig, seine Interviewpartnerinnen dagegen sind weiblich und verheiratet. Takeda geht es in dem vorliegenden Beitrag weniger um Inhalte seiner Forschung als vielmehr um die methodische Frage, wie unter anderem die oben genannten Faktoren die Interaktion zwischen ihm und seinen Interviewteilnehmerinnen beeinflussen und welche möglichen Auswirkungen dies auf seine Forschung und deren Ergebnisse hat.

Takeda gibt hierfür zunächst einen kurzen inhaltlichen Einblick in sein eigentliches Forschungsprojekt und dessen Kontext, bevor er, nach der Erläuterung zentraler Begrifflichkeiten wie Positionalität (positionality), mit der Analyse seiner Rolle im Forschungsfeld beginnt. Hierfür macht er zentrale Unterschiede (Geschlecht, Familienstand) und Gemeinsamkeiten (kulturelle, sprachliche Identität) zwischen sich und seinen Interviewpartnerinnen – insgesamt neun Frauen zwischen 20 und 80 Jahren (289) – aus und evaluiert deren oftmals ambivalente Effekte auf seine Forschung. Ebenso berücksichtigt er den Diskurs zur internationalen Heirat und mögliche Auswirkungen desselben auf den Forschungsprozess. Takeda kann dabei zweierlei aufzeigen: Zum einen stellt er fest, dass zwischen Forscher und Interviewteilnehmerinnen Unterschiede und Gemeinsamkeiten so miteinander verwoben sind, dass Konzepte wie „insiderness“ und „outsiderness“ (293) der Komplexität des Feldes nicht gerecht werden. Des Weiteren verweist er darauf, dass die Positionalität des Forschenden im Feld sowie dessen Gedanken und Gefühle die Forschung weder positiv noch negativ beeinflussen; wichtig sei es vielmehr, diese Einflüsse zu artikulieren und bei der Analyse zu bedenken.

Der Beitrag Takedas gibt einen guten und detaillierten Einblick in eine alte (methodische) Fragestellung, die in der aktuellen sozialwissenschaftlichen (Japan-)Forschung leider recht oft vernachlässigt wird. Wünschenswert wäre jedoch ein konkreterer (auch inhaltlicher) Einblick in die Forschungsthematik gewesen – insbesondere vor dem Hintergrund des enormen öffentlichen Diskurses zum Wandel des japanischen Heiratsverhaltens. Trotz der recht abstrakten und theoretischen Herangehensweise bietet sich der vorliegende Aufsatz jedoch durchaus als Denkanstoß für Studierende höherer Semester an, die eine eigene Feldforschung planen.

NK