Never-Married Employed Men’s Gender Beliefs

Nemoto, Kumiko; Fuwa, Makiko und Kuniko Ishiguro (2013): “Never-Married Employed Men’s Gender Beliefs and Ambivalence Towards Matrimony in Japan”. In: Journal of Family Issues 34:12. 1673–1695.

Zu Beginn des Artikels verweisen die Autorinnen auf die Forschung zu Heirat im Allgemeinen, indem sie auf die Deinstitutionalisierung und Individualisierung der Heirat verweisen. Diesen Ansätzen stellen sie die Forschung zu sozialen Normen gegenüber, welche innerhalb der zuvor genannten Ansätze ausgeblendet wurde. Ungeklärt sei in der bisherigen Forschung zu Heirat die Frage nach dem Zusammenhang zwischen einem Nachlassen der Norm in einem bestimmten Alter verheiratet zu sein und ob bzw. wie sich dadurch die Geschlechtervorstellungen von Individuen hinsichtlich der Ehe verändern. Diesem Ansatz gehen die Autorinnen nach, indem sie Männer nach ihren Geschlechtervorstellungen zu Ehe befragten. Sie machen deutlich, dass eine späte Heirat oder gar ein Eheverzicht zumeist als weibliches Phänomen in sich wandelnden Gesellschaften thematisiert wurde, während Männer wenig beachtet wurden. Insgesamt ließen sich in der bisherigen Forschung zu unverheirateten Männern drei Hauptgründe für die späte Heirat identifizieren, zum einen der nachlassende soziale Druck in einem bestimmten Alter verheiratet zu sein, zweitens eine Zunahme an Möglichkeiten von arbeitenden Männern das Leben autonomer gestalten zu können und drittens die negative Sicht von Männer auf die Geschlechtsrollen innerhalb der traditionellen Ehe.

Im Anschluss an diese allgemeinen Ausführungen folgen die Darstellung des Forschungsstandes zum Thema „später Heirat“ sowie eine Beschäftigung mit dem Zusammenhang von Geschlecht, Arbeit und Ehe in Japan. Es werden bekannte viel rezipierte Argumentationen von Wissenschaftlern wie Shirahase Sawako oder Yamada Masahiro angeführt, die auf den Zusammenhang zwischen unverheirateten Männern und einer Zunahme von prekären Beschäftigungsverhältnissen verweisen. Darüber hinaus werden aber auch Positionen weiter Forscher genannt, die bspw. die bspw. in der Erfahrung des Zusammenlebens mit Frauen einen Grund erkennen, warum Männer unverheiratet bleiben oder auch der schlechten Kommunikationsfähigkeiten dieser Männer.

Die Autorinnen fokussieren sich in dem vorliegenden Aufsatz auf unverheiratete, gut ausgebildete, festangestellte Männer mit hohem Einkommen. Insgesamt wurden 25 Männer im Durchschnittsalter von 32 Jahren interviewt, wobei sie Teil einer größeren Studie sind. In den Untersuchungsergebnissen machen die Autorinnen deutlich, dass der Großteil der Männer Frauen mit „traditioneller“ Weiblichkeit bevorzuge, da diese der mütterlichen und sorgenden Rolle eher gerecht werde, als eine karriereorientierte Frau, der sie oft ablehnend gegenüberstünden. Durch die Trennung von weiblich häuslicher Welt und männlich arbeitender Welt war einigen Männer zudem der Nutzen, der in der Ehe liegen solle, nicht ersichtlich.  Vorteile wie Haushaltsführung und Sex könnten sie auch ohne Ehe erhalten, war ihr Argument. Für einige Männer stand Ehe auch für den Verlust von Freiheit, Selbsterfüllung und Selbstbestimmung, z.B. wenn die Frau finanziell abhängig ist, der Mann die Selbstverwaltung seines Verdienstes einbüßt oder die Frau auf die Freizeitgestaltung großen Einfluss nimmt und Besuche bei Freunden zu Gunsten von Familienaktivitäten unterbindet. Generell, so die Autorinnen, benennen die befragten Männer kaum einen gesellschaftlichen Druck von Familie oder Firma heiraten zu müssen. Über die Hälfte suche nicht einmal aktiv nach Verabredungen und andere wiederum seinen vor allem an kurzfristigen Sexualkontakten interessiert.

Obwohl die Autorinnen in ihren Schlussbetrachtungen bemerken, dass Ehe für die befragten Männer mehr zu einer individuellen Wahl als einer kollektiv eingeforderten Institution wurde, sind sie dennoch nicht frei von den traditionellen Geschlechterrollen in der Ehe. Hier sehen sie einen Zusammenhang zu der unveränderten Struktur der Arbeitswelt, die für Männer lange Arbeitszeiten und Stress vorsieht. Eine Ehe erscheine für diese Männer somit nicht machbar, wenn sich die Frau nicht komplett dem Haushalt und den Kindern widme. Die Autorinnen kommen daher zu dem Schluß, dass „their individual preferences with regard to women may deeply reflect the structural constrains that exist in Japan“ (S. 1691).

Der Aufsatz bietet einen sehr kompakten Überblick über die Forschung zu Heirat und Ehe mit Bezug zum japanischen Kontext. Die Fokussierung auf eine bisher wenig unter diesem Aspekt betrachtete Gruppe von Männern ist spannend und aufschlussreich. Als Einführungstext ist er aufgrund seines speziellen theoretischen Zuschnitts nur bedingt nutzbar, so dass der Artikel eher Studierenden höherer Semester zu empfehlen ist.

CN