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Basil Hall Chamberlain – ABC der japanischen Kultur

ABCWie erklärt man jemandem, der sich bisher nicht mit Japan auseinandergesetzt hat, das „Wesen Japans“? Jeder Japanologe wurde sicherlich schon mehrmals gefragt, was Japan ausmache oder wie die Japaner seien. Nachdem man nun das Schaudern ob der Generalisierung „die Japaner“ überwunden hat, steht man vor einem Problem. Wo fängt man an? Was kann weggelassen wer-den? Wie kann man eine so komplexe und jahrhundertealte Kultur zusammenfassen? In seinem Buch „ABC der japanischen Kultur“ (Original: Things Japanese, 1912) wollte Basil Hall Chamberlain dem Leser die Antworten zu Fragen über Japan geben, die ihm anscheinend unaufhörlich gestellt wurden, und einen generellen Überblick Japans bieten.

Chamberlain war wohl einer der aktivsten Japanologen des 19. Jahrhunderts. Er reiste 1873 erstmals nach Japan. Dort lehrte er unter anderem an der Universität Tokyo als Professor der Japanologie, bis er 1911 in die Schweiz ging. In seiner Zeit in Japan übersetzte er als Erster das Kojiki, das älteste überlieferte Buch Japans, in die englische Sprache. Darüber hinaus verfasste er viele andere Arbeiten, aber das Buch, für das er wahrscheinlich am bekanntesten ist, ist das „ABC der japanischen Kultur“ aus dem Jahr 1912. Es ist eine Art Enzyklopädie, die Begriffe von A wie Aberglaube bis Z wie Zyklus erklärt.  Weiterlesen

Lafcadio Hearn – Kokoro

Nach der erzwungenen Öffnung Japans im Jahr 1853 ging der englische Philosoph Herbert Spencer davon aus, dass die japanische Kultur eingehen werde wie „a hothouse flower suddenly exposed to the outside world“ (Starrs, S. 183). Denn seiner development hypothesis folgend war er davon überzeugt, dass sich die Kulturen der Welt in einem Konkurrenzkampf gegeneinander befänden. Dieser Evolutionismus wird heute oft als Vorläufer des späteren Sozialdarwinismus interpretiert.

Doch entgegen Spencers Voraussage kam es in Japan zu einer radikalen Umstrukturierung des Landes, welche unter anderem zum Sieg über China im ersten Chinesisch-Japanischen Krieg und zur Kolonialisierung von Taiwan in den Jahren 1894 bis 1895 führte. Aus Sicht der westlichen Kolonialmächte dürften diese Entwicklungen äußerst überraschend und nur schwer zu verstehen gewesen sein, weshalb ein erhöhter Bedarf nach Erklärungen bestand.

„Kokoro – Hints and Echoes of Japanese Inner Life“ ist einer dieser Erklärungsversuche. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Essays des Journalisten und Autoren Lafcadio Hearn, in denen dieser die Japaner als aufsteigende Rasse darstellt, welche durch ihre vom Buddhismus und Shintoismus geprägten geistigen Eigenschaften gute Voraussetzungen für ein Bestehen in einem kulturellen „Survival of the fittest“ (Spencer) habe. Hearn wurde 1850 in Griechenland geboren, wuchs in Dublin auf und zog schließlich mit 19 Jahren nach Amerika, wo er als Journalist arbeitete. Nach Japan kam Hearn erst 1890, als Englischlehrer für einer Schule in Matsue (in der heutigen Präfektur Shimane), wo er schließlich eine Familie gründete. Im Jahr 1896, als auch Kokoro erschien, nahm er unter dem Namen Koizumi Yakumo die japanische Staatsbürgerschaft an. Weiterlesen

Okakura Kakuzo – Das Buch vom Tee

teeOkakura Kakuzo wurde 1862 als Sohn einer wohlhabenden Samurai-Familie in Yokohama geboren, wodurch er einen besonderen Bildungsweg genießen konnte. Neben seinem Interesse an der chinesischen Kultur und Sprache widmete er sich in der Folge dem Studium der englischen Sprache, welches er schließlich 1880 an der kaiserlichen Universität in Tokyo mit Auszeichnung absolvierte.

Bis zu seiner Gründung einer Einrichtung zur Erhaltung japanischer Kunstgegenstände, der Nippon Bijutsu-in, reiste er mehrmals nach Europa, China, Indien und Amerika. Außerdem war Okakura als Direktor der neuen Kunstakademie in Tokyo tätig. In der Meiji-Ära, als Japan von westlichen Vorbildern geprägte Modernisierungsprozesse durchlief, versuchte Okakura mit Schriften wie „The Ideals of the East“ (1903), „The Awakening of Japan“ (1904) und eben dem Buch vom Tee, im Original „The Book of Tea“ (1906), die japanische Kultur im Westen bekannt zu machen. Dabei war es ihm ein besonderes Anliegen, auch den Japanern selbst ihre eigene kulturelle Herkunft bewusst zu machen und sie dazu aufzufordern, eigene kulturelle Schätze besser zu schützen. Weiterlesen